Hausarztalarm. Bitte rasch handeln!

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Die jüngsten Ziffern zeigen dramatisch auf: Wir haben zu wenig Hausärzte. Jetzt scheinen das auch die Verantwortlichen zu erkennen und reagieren, sowohl der Hauptverband der Sozialversicherungsträger als auch das Gesundheitsministerium. Es ist auch höchste Zeit. Für Lippenbekenntnisse sind die Ärzte nicht mehr zu haben.

Ärzte stellen Ärzte an, wird versichert, Allgemeinmediziner können ihr Untersuchungsfeld und die Fächer ausweiten, beispielsweise auch Kinder behandeln. Die Honorare sollen deutlich angehoben werden, eventuell auch gestaffelt nach Regionen und Einsatzgebieten. Man will die Turnusärzte motivieren, die Lehrpraxis soll ordentlich honoriert werden. Manche Gemeinden haben sogar Fonds angelegt, die für die Ausstattung von Ordinationen für Landärzte genutzt werden und letztendlich solle es Stipendien für Landärzte geben und die Ausbildung zum Allgemeinmediziner deutlich attraktiver gestaltet werden.

Wohnortnahe Versorgung ist das Ziel. Das ist gerade für ländliche Gegenden mit hoher Überalterung und dementsprechenden Mobilitätsproblemen wichtig. Aber auch für Metropolen, wo die Ärztepraxen ebenso heillos überlaufen sind wie die Ambulanzen.
Mehr Ärzte. Mehr Geld. Mehr Flexibilität und vor allem mehr Wertschätzung. Das ist es, was wir Ärzte seit Jahren fordern.

Positiv ist, dass neue wirkliche Bewegung in die Politik kommt. Man verschließt sich der Themen und Argumente der Ärzte nicht mehr.
Das ist ein positiver Ansatz. Jetzt muss rasch gehandelt werden. Wenn heute über 60 Praxen nicht besetzt sind, werden es nächstes Jahr über 100 sein und im darauffolgenden Jahr fast doppelt so viele – alleine auf Grund von Pensionierungen und Nichtnachbesetzungen.

Die Ärzteschaft steht für konstruktive Verhandlungen bereit. Vor allem aber für rasche und praxisnahe Lösungen – direkt unter Mitwirkung der Ärztekammer.

Wir setzen auf gemeinsame Vorgangsweise und vor allem auf gemeinsame Kommunikation. Was wirklich notwendig wäre, ist eine große nachhaltige Kampagne für Gesundheit, gesundes Leben und Prävention.
Und was weiter notwendig ist: Hinein in die Schulen. Aufwertung der Schulärzte – auch hier herrscht Mangel – verpflichtende Einführung von Gesundheits- und Ernährungskunde, endlich flächendeckende Umsetzung der täglichen Turnstunde. Das alles sind Maßnahmen, die weder viel Geld noch allzu viel Aufwand erfordern. Man muss es nur tun.

Wir können nicht zulassen, dass ein Gesundheitssystem, das vorbildlich war, erodiert. Wir warnen vor Zuständen wie unlängst in Großbritannien, als Patienten monatelang vertröstet wurden und sich selbst die Premierministerin öffentlich entschuldigen musste.
Das hat nichts mehr mit Menschenwürde und sozialer Gerechtigkeit zu tun.
Jetzt handeln, dann muss man sich nicht in nachhinein entschuldigen. Und verliert jegliche Glaubwürdigkeit.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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