Nicht weiter so

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Die Zeit der Versprechungen ist vorbei. Die neue Regierung ist aufgerufen den Worten auch Taten folgen zu lassen. Gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Bundesländern. Zentrale Steuerung ja, regionale Umsetzung ist unerlässlich. Ja zur Harmonisierung auf Bundesebene, aber vor allem ja zur Differenzierung auf Landesebene. Aber nach objektiven Maßzahlen.

Daher Hausarztmangel muss im ländlichen Bereich anders gelöst werden als in den Städten. Das gilt auch für PHC oder Gruppenpraxen. Und das gilt auch für die Honorierungen der Allgemeinmediziner. Ausgehend von einem vernünftigen Sockel sollte es da und dort Zuschläge geben – etwa, weil die Entfernungen besonders groß sind, weil die Überalterung und Immobilität unterschiedlich sind.

Das gilt im Übrigen auch für ausgewiesene Mangelfächer. Es geht nicht an, dass etwa im Burgenland überhaupt kein niedergelassener Kinderpsychiater ordiniert oder in Kärnten gleich eine ganze Abteilung wegen Fachärztemangel geschlossen wird. Dasselbe gilt für Kinderärzte, von denen wir zu wenige haben.

Wir brauchen – und zwar möglichst rasch – eine verpflichtende Gesundenuntersuchung, die im Vergleich zu heute ausgeweitet werden muss. Zum Bespiel Darmspiegelung, Gastro etc. Das wäre ein wertvoller Beitrag zu Prävention und Früherkennung. Die Gesundenuntersuchung muss auch für Jugendliche und alle Arbeitnehmer – in den Betrieben – verbindlich sein.

Und wir brauchen eine Ärzteoffensive: Was wir aus eigenen Kräften nicht aufholen können, müssen wir wohl importieren, wie es andere Länder auch machen. Derzeit haben wir Marktnachteile – geringe Wertschätzung, zu viele Überstunden und natürlich auch das Handicap der deutschen Sprache. Es nutzt nichts: Wir müssen inzwischen Geld in die Hand nehmen.

Oder: Wir motivieren Wahlärzte, verstärkt in die Kassenpraxen zu gehen, von denen es aber angesichts der rasch wachsenden Bevölkerung zu wenige gibt.

Langfristig – und wir sprechen von zehn Jahren – kann die Ärztelücke in Österreich abgebaut werden. Durch eine Attraktivierung und höhere Wertschätzung des Berufes, bessere Ausbildung im Turnus und Rücksichtnahme auf die persönlichen Lebenskonzepte der Studierenden und Absolventen: mehr Flexibilität, mehr Halbtagsjobs und Verbesserung der Kinderbetreuung in den Krankenhäusern. Kindergärten und Horte sollten der Regelfall werden.

Es nützt jetzt nichts, wieder nur Konzepte zu entwickeln. Man muss handeln. Das sind wir den Menschen in diesem Land schuldig.

Und wir sind ein reiches Land – es sollte einen Teil des Reichtums in die Gesundheitsversorgung investieren. Mehr denn je.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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