Gesundheit an erster Stelle. Und mehr Mittel

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Ein Plädoyer für eine offensive Gesundheitspolitik

Pflegefall im Alter, keine Betreuung bei schweren Krankheiten – das sind die Ängste, welche die Österreicher an erster Stelle nennen. Alleine sein, keinen Platz im Pflegeheim finden,wenn es zuhasue nicht mehr geht, die Behandlungsrechnungen nicht bezahlen können. Erst dann kommt Angst vor Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Not. Gesundheit steht an erster Stelle.

Eine Regierung, die mit dem Ziel sozialer Gerechtigkeit und Entlastung der kleinen Leute angetreten ist, muss das respektieren. Eine Regierung noch dazu, die sagt, man müsse auf die Ängste der Menschen reagieren, umso mehr.

Wir brauchen dringend ein umfassendes Pflegegesetz und eine Pflegeversicherung und wir brauchen deutlich mehr medizinisches und pflegerisches Personal, um die Aufgaben der kommenden Jahre zu bewältigten – und Menschen ihre Ängste zu nehmen.

Das heißt: Nicht sparen in der Gesundheitspolitik, sondern noch mehr Geld ausgeben. Geld für Ärzte, Menschen aus medizinischen Berufen, Pflegefachkräfte – und das bei einer noch qualifizierteren Ausbildung und adäquaten Grundgehältern.

Mehr Geld für Pflegebetten statt für Akutbetten und eine integrierte Gesundheitspolitik, die Prävention, Kuration, Medikation, Rehabilitation und Pflege in Einem umfasst.

Menschen haben Angst davor, dass Zustände wie in Großbritannien eintreten: extreme Zweiklassenmedizin, Rationierungen in der staatlichen Gesundheitsversorgung: bei Medikamenten, Heilbehelfen oder Ersatzteilen – von Hüfte über Knie bis Schulter, etc.

Menschen die zeitlebens in eine private Zusatzversicherung eingezahlt haben befürchten, dass die Prämien steigen – gerade im Alter – und sie sich das nicht mehr leisten können: Und Leistungskürzungen kommen.

Wer heute von Milliardensparungen im Gesundheitssystem spricht, geht an der Realität und an den Ängsten der Menschen vorbei und negiert auch – ökonomisch gesehen – die volkswirtschaftlichen Aspekte: Mit einer großzügigen Gesundheitsversorgung können langfristig sichere und qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden, gibt es mehr Menschlichkeit und weniger Arbeitsausfälle, die auch Geld kosten. Und eine wesentlich gesündere Jugend – hier herrscht ohnehin Aufholbedarf.

Bei den Mehrausgaben im Gesundheitswesen geht es bei Leibe nicht darum prestigerfördernde Krankenhäuser neu zu bauen oder bedenkenlos sündteure technische Geräte einzukaufen die zu wenig ausgelastet sind oder für die es kein qualifiziertes Bedienungspersonal gibt, nein, es geht darum, auf Neudeutsch gesagt, in Humanressourcen zu investieren, und in eine möglichst geschlossene Versorgungsskette.

Politik sollte die Ängste und Sorgen der Menschen ernstnehmen, das hat schon ein legendärer Bundeskanzler wie Bruno Kreisky zu seinem Credo gemacht. Und er hat lange und erfolgreich regiert.

Vieles, was unser Gesundheitssystem heute auszeichnet, stammt aus dieser Ära. Auch die Erkenntnis, dass Selbstverwaltung die beste Form einer verantwortlichen Gesundheits- und Sozialpolitik ist.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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