Ja zur freien Wissenschaft und Forschung

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Nein zu unethischen Studien und Untersuchungen

Der leidige, skandalöse Fall VW und deren Dieselabgastests an Menschen ist abzulehnen und schärfstens zu verurteilen. Aus mehreren Gründen: Testversuche mit Menschen sind generell nur unter Bedingungen durchzuführen, die strengen, wissenschaftsethischen Kriterien entsprechen und dazu angetan sind, dem Menschen und der Gesundheit zu dienen. Nicht aber irgendwelchen Motoren, Unternehmen oder Legitimierung von manipulatorischen Tricks. Das ist nicht nur unethisch, das ist an der Grenze zur Illegalität. Dass man das Ganze noch dazu klandestin und unter Deckmantel macht, ist zusätzlich verwerflich.

Doch darum geht es nicht – nur. Es geht um das Prinzip der freien Wissenschaft und Forschung und um die Frage der Legitimität von wirtschaftlichen Interessen. Forschung, die dem Menschen dient, braucht Daten, Evidenzen, empirische Erfahrungen. Der Mensch als Testperson ist notwendig in bestimmten Fällen, wenn es etwa um die Approbation von Medikamenten geht. Deshalb muss jedes Forschungsprojekt an der medizinischen Universität Wien auch eine wissenschaftsethische Überprüfung bestehen. Erst dann wird es freigegeben. Das ist auch gut so.

Die Diskussion darf aber nicht dazu führen, dass der Forschung ein Riegel vorgeschoben wird. Ohne Grundlagenforschung keine angewandte Forschung und ohne Forschung, Experimente und Test kein Fortschritt.

Dasselbe gilt auch für Data und Big Data. Moderne Wissenschaft ist ohne Big Data, ohne differenzierter und multipler Datenanalytik nicht möglich – oder zu teuer. Dass die Daten anonymisiert sind, ist ethische Voraussetzung. Daran hält sich konkrete Wissenschat auch. Mit dem Argument das Datenschutz Wissenschaft zu zügeln und einzuengen, wäre fatal. In der öffentlichen Debatte muss deshalb differenziert werden.

Das gilt auch für angewandte Medizin und Patientendaten. Es darf keinen Zweifel daran geben, dass persönliche Daten geschützt – und verschlüsselt – werden müssen. Die Intimsphäre des Menschen – des Patienten – ist das höchste Gut. Niemand außer dem Arzt des Vertrauens darf darüber verfügen.

Aber auch hier gilt: Das darf nicht dazu führen, dass es zu einem neuen Maschinenstürmertum kommt und Daten nicht ausgetauscht werden dürfen. Im Zeitalter der digitalen Medizin, der bildgebenden Verfahren und der Epigenetik ist das unerlässlich. Und rettet Menschenleben.

Das ändert nichts daran: Ethische Kriterien sind unverhandelbar, sie dürfen nicht aufgeweicht oder gar verletzt werden. Die Ärzte, die dem hippokratischen Eid und den Standesregeln verpflichtet sind, halten sich daran.

Aber Ärzte werden nie gegen die Freiheit der Wissenschaft und Forschung argumentieren. Medizin braucht das. Im Sinne der Gesundheit und der gesunden Menschen und Patienten.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
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