Patientenverfügung: Ja – aktive Sterbehilfe: Nein!

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Die Bundesregierung will die Formalitäten bei der Patientenverfügung vereinfachen und den Zugang erleichtern. Derzeit nutzen etwa fünf Prozent der Bevölkerung diese Möglichkeit, um selbst zu entscheiden, wann lebensverlängernde Maßnahmen beendet werden müssen, sprich, wann der Stecker herausgezogen werden soll. Wir Ärzte haben nichts gegen Maßnahmen, welche die Patientenrechte verbessern und ausweiten.

Aber wir Ärzte haben einen klaren Standpunkt: Nein zu aktiver Sterbehilfe, wie sie in einigen europäischen Ländern bereits gestattet ist.

Wir Ärzte maßen uns nicht an, über Leben und Tod zu entscheiden. Unsere Verpflichtung ist es, menschliches Leben so lange wie nur möglich zu erhalten und keinerlei Maßnahmen zu setzen, die Leben vorzeitig beenden.

Wenn Patienten ausdrücklich festlegen, dass ab einem bestimmten Krankheitszeitpunkt keinerlei Maßnahmen zu setzen sind, ist das legitim. Das begrüßen wir ausdrücklich. Bislang war es so, dass man die Legitimierung durch Notar oder Rechtsanwalt benötigte, nach Konsultation durch einen Arzt.

Nunmehr soll es einfacher werden, es geht über die Sozialversicherung, zudem werden die Patientenverfügungen auf der ELGA vermerkt. Ärzte könne also rascher und einfacher überprüfen, ob eine vorliegt oder nicht. Es ist auch nicht mehr Notar oder Rechtsanwalt erforderlich. Aus der Sicht des Patienten wird es einfacher – und auch billiger. Zudem wird die Gültigkeit auf 8 Jahre verlängert.

Es ist zu erwarten, dass in Zukunft die Zahl der Patientenverfügungen steigen wird, gerade auch angesichts steigender Lebenserwartung und steigender Multimorbidität im Alter.

Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Einstellung. Ärzte werden nicht zu aktiven Sterbehelfern. Was wir aber sehr wohl fordern, ist ein deutlicher Ausbau der palliativen medizinischen Maßnahmen und Einrichtungen. Hier herrschen große Lücken, fehlen Ressourcen, fehlt es auch an öffentlichem Bewusstsein.

Sterbebegleitung ja. Das ist sinnvoll, human geboten, hilft sowohl Patienten als auch Angehörigen und tastet die Würde des Menschen nicht an.

Da Palliativmedizin in den meisten Ländern nicht flächendeckend angeboten wird, fehlen auch fundierte Daten darüber, wie Menschen mit unheilbaren Krankheiten umgehen, wie sich ihr Verhältnis zum Tod und ihr Lebenswillen in extremis gestalten. Schon das sollte zu denken geben.

Es bleibt zu warnen: Kein politisches System hat das Recht, die Würde des Menschen und sein Recht über sein Leben anzutasten.

Und kein System der Welt hat das moralische Recht, die Autonomie der Ärzte in Frage zu stellen. Es ist der erste Schritt zu Willkür und Diktatur.

Gerade hierzulande sollten wir nie vergessen, welche Grenzen durch den Nationalsozialismus verletzt und negiert wurden. Deshalb: Nie wieder.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
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