Stopp – und neu denken

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Es geht um die Zukunft der Wiener Gesundheitsversorgung

Der Rechnungshofbericht bestätigt – im geradezu erschreckenden Ausmaß – was von allen Kundigen prognostiziert wurde: Das Krankenhaus Nord wird zum Desaster. Deswegen muss man jetzt auf die Stopp-Taste drücken und Wiens Krankenhausplan und Gesundheitsversorgung neu denken. Es ist allerhöchste Zeit. Wir Ärzte sind bereit aktiv mitzuarbeiten. Wir haben auch klare Vorstellungen.

Das ehrgeizige Krankenhauskonzept 2030 ist Makulatur. Jetzt muss umfassende Bilanz gemacht werden. Welche Leistungen müssen in welchem Krankenhaus angeboten werden, wo gibt es Schwerpunkte und Spezialisierungen, welche Anstalten können wann geschlossen werden. Wo herrscht in Zukunft verstärkter Bedarf – aufgrund der Überalterung, aber auch der wachsenden Geburtszahlen und neuer chronischer Krankheiten.
Welche Ressourcen sind notwendig: technisch und räumlich, pflegetechnisch und medizinisch. Wie sollen die Spitäler organisiert sein? Mehr Autonomie, weniger zentrale Hierarchie, dafür zentrale Steuerung beim Materialeinkauf, Data Base, etc.

Welche Leistungen können ambulant günstiger im Krankenhaus abgedeckt werden, welche nicht?

In welchen Fächern muss man sowohl in den Krankenhäusern, als auch im niedergelassenen Bereich investieren? Ich nenne nur Stichworte: Kinderheilkunde, Kinderpsychotherapie, Psychotherapie, Dermatologie, etc.

Und vor allem: Wie stärken wir kohärent zum neuen Krankenhaussystem den niedergelassenen Bereich, insbesondere die Mangelfächer und generell den Allgemeinmediziner? Hier sind die Ressourcenmängel evident. Und werden noch größer, da eine Pensionierungswelle folgt. Morgen schon.

Wo sind PHC sinnvoll und notwendig, in welchen Bezirken und Stadtteilen? Wo muss das Netz der Allgemeinmediziner verdichtet werden ,wie gut müssen neue Stadtgebiete wie Aspern versorgt werden? Wien baut jährlich bis zu 10.000 Wohnungen neu, zwischen 25.000 und 28.000 Menschen kommen neu dazu. Für sie muss flächendeckende, medizinische Versorgung geschaffen werden.

Man muss entscheiden wo und wie man die vorhandenen Services optimiert und stärkt, im akuten Bereich (Kooperation Ärztefunkdienst und Rettung und andere mobile Einrichtungen) als auch im Pflege- und Rehabilitationsbereich.

Die Zahl der multimorbiden und dementen Patienten wird deutlich steigern – welche Maßnahmen setzen wir heute?

Und dann: Wie schaffen wir es, das Thema Gesundheit, richtige Ernährung und Mobilität bei den ganz jungen zu vertiefen? Schulärzte werden benötigt, ebenso – vor allem in den Ganztagsschulen – Pflichtfächer wie Ernährungskunde und Gesundheitskunde, und und und.

Wien bekommt einen neuen Bürgermeister. Setzen wir uns zusammen, drücken wir kurzfristig auf die Stopptaste und beginnen neu. Es ist notwendig.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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