Gesundheit zuerst. Mehr als ein Lippenbekenntnis.

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Nahezu alle Umfragen enden gleichlautend: Die größten Sorgen der Österreicher gelten ihrer Gesundheit. Dann erst kommen Sicherheit, Angst um den Arbeitsplatz. Das zweite: Die Österreicher sind mit ihrer Gesundheitsversorgung -noch – relativ zufrieden. Aber: Sie haben Angst, dass dieses Niveau nicht gehalten werden kann.

Dass Gesundheit irgendwann nicht mehr leistbar ist. Das sollte Politik ernstnehmen, statt dauernd von Einsparungsmaßnahmen zu reden. Wie wichtig Gesundheit tatsächlich ist zeigt der überragende Erfolg der „Don’t smoke „Initiative. Das Begehren hat innerhalb weniger Wochen mehr als 500.000 aktive Unterstützer. Das ist einmalig.

Denn der offizielle Start des Volksbegehrens hat noch gar nicht begonnen – das wird erst Anfang April beantragt.

Wenn die Regierung diese Signale nicht erkennt, begeht sie Fehler. Und zeigt sich resistent gegen Verbesserungen. Wenn dann noch dazu vor allem Ratioanalisierungsvorhaben – Zusammenlegung der Sozialversicherungen, Deckelung der Gesamtausgaben für Gesundheit und Bindung an das BIP – forciert werden, wird sich die Angststimmung in der Bevölkerung verstärken. Noch dazu, wenn für die einzelnen spürbar wird, dass es am Lande immer weniger Hausärzte gibt und es für alte Menschen schwer wird, überhaupt noch rasche ärztliche Hilfe zu erhalten, wenn sie die langen Warezeiten auf Operation am eigenen Leibe spüren oder selbst gut Verdienende und wohlbestallte Pensionisten sich die Prämienerhöhung der privaten Zusatzversicherung bald nicht mehr leisten können.

Oder wenn ältere Menschen – gerade in Großstädten – Angst vor Armut und Unbetreutsein im Alter empfinden, es zu wenige mobile Services gibt und traditionelle Familienformen erodieren. Werden Generation Y und Z ihre Eltern oder Großeltern noch mit der gleichen Selbstverständlichkeit betreuen wie es die Generation der Baby Boomer heute noch tut, die selbst bald alt und mobil eingeschränkt wird.

Und was ist, wenn wir in 15 Jahren adipöse Mittdreißiger haben, die chronisch krank und bedingt arbeitsfähig sind, nur weil verabsäumt wurde, rechtzeitig in Prävention und Aufklärung zu investieren. Womit wir-unter anderem – wieder beim Rauchen sind: Gerade beim Rauchen liegen österreichische Jugendliche OECD-weit im Vorderfeld, das heisst es gibt die meisten jungen Raucher. Und es steigt die Anzahl der Adipösen in bedenklichem Tempo.

Deshalb: Gesundheit zuerst. Und nicht als Lippenbekenntnis einer Regierung, das Jahr für Jahr wiederholt wird, bei einer Jahr für Jahr sukzessive lückriger werdenden Gesundheitsversorgung.
Es ist Zeit umzudenken und neu zu handeln.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
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