Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar

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Politik, insbesondere die österreichische Politik, neigt dazu zu verschleiern. Offensichtlich in der Überzeugung , das Gedächtnis der Menschen sei ebenso flüchtig wie ihre Politik. Es wird vertröstet und verschoben. Wie das Krankenhaus Nord, wo man gewissermaßen salamimäßig mit der Wahrheit herauskommt. Ob 2020 der Vollbetrieb aufgenommen werden kann, weiß niemand.

Ähnlich ist es mit ELGA – wo das Verzögern vielleicht dazu führt, dass ELGA aus anachronistischen Gründen nicht mehr einsatzfähig ist. Ebenso ist es mit dem Hausarzt. Davon, dass in jeder Regierungserklärung ein Bekenntnis zum Hausarzt niedergeschrieben wird, haben weder die Hausärzte noch die Patienten etwas.

Ob es das Thema Impfungen sei, ein einheitliches Krankenhausgesetz für ganz Österreich, Normen für Prävention oder lediglich die Einführung der täglichen Turnstunde in den Schulen: Wir warten schon sehr lange drauf.
So kann es niemanden verwundern, dass Patienten – und sie sind auch Wähler – langsam den Glauben an das System verlieren. Und sich fügen. Zähneknirschend zum Arzt ohne Kassenvetrag gehen, für die eine oder andere Untersuchung selbst in die Tasche greifen oder gar nicht mehr abwarten bis ihre Kinder die Zahnregulierung vergütet bekommen.
Manchmal hat man den Eindruck, das würde gern geduldet, wenn nicht sogar gefördert. Vom mündigen Staatsbürger, heißt es, wird mehr Eigenverantwortung verlangt. Muss aber Eigenverantwortung gleich Kostenübernahme bedeuten? Wofür gibt es dann, fragt man sich, ein Sozialsystem.

Im Gesundheitswesen wird seit Jahren gerne gedeckelt. Das heißt es gibt Obergrenzen. Gerade im Gesundheitsbereich ist jede Deckelung kontraproduktiv per se. Krankheiten oder Unfälle lassen sich nicht wie in der industriellen Produktion steuern und selbst mit den besten Marketingkonzepten lässt sich der Gesundheitsmarkt nicht regulieren.
Deckelung führt zu Kontingentierung und Kontingente führen zu einem spekulativen Markt. Wem nicht mehr zugeteilt wird, der muss sich das, was er will selbst kaufen.

Und dessen Leistungen gedeckelt sind – wie beim Arzt – der fragt sich warum er beispielsweise ab den 20. Tag des Monats gratis arbeiten muss. Erkrankte nach dem 20. Keine Menschen mehr. Oder kann man ihre Krankheiten verschieben? Das zu denken wäre wohl absurd.
Die Politik ist aber darauf ausgerichtet.

Deshalb: Mut zur Wahrheit. Mut zum Einverständnis von Fehlern – von Anfang an. Wie schreibt Adalbert Chamisso in seinem Gedicht: Die Sonne bringt es an den Tag.
Unvermeidlich.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
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