Wer soll nun die Verletzten versorgen?

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Was soll die Auflösung der AUVA?

Die AUVA ist mit ihren Spitälern undServices eine der am besten funktionierenden Institutionen in Österreich. Abgesehen davon, dass die Unfallmedizin in Österreich erfunden und erstmals im urbanen Bereich angewendet wurde, sollten wir uns der Tradition verpflichten. Was aber macht die Bundesregierung? Sie will die AUVA auflösen. Aus simplen Kostenrechnungsgründen für den Moment.

Wer soll die Unfallverletzten nun aufnehmen, wenn etwa in Wien das Böhler geschlossen wird, oder in andere Hände und Verantwortlichkeit kommt?

Was bringt das wem? Und wer sind die Leidtragenden? Die ohnehin schon überlasteten Ambulanzen der Kliniken, die zudem nicht auf die Versorgung aller Unfälle eingerichtet sind, die ohnehin überlasteten Ärzte und Pflegerinnen in den Spitälern, die zumeist – und vor allem in Wien – nicht mehr wissen, wie sie den Alltag gerade noch meistern könnten, Abteilungen schließen oder gewaltig zurückfahren müssen?

Was bringt das den „Verunfallten“?

Wir wissen, dass beispielsweise die Zahl der Verkehrstoten zwar ständig sinkt, nicht aber die Zahl an Verkehrsunfällen mit Verletzten: Ich verweise auf Fußgänger und Radfahrer, die gerade im urbanen Raum immer stärker betroffen sind.

Es sinken zwar statistisch die Arbeitsunfälle, nicht aber die gravierenden Unfälle, die sofortige Behandlung erfordern.

Wer soll das managen?

Hat die Regierung des bedacht?

Die Ersparnisse, die man irgendwann auf Gehaltsebene oder Verwaltungsebene zu lukrieren glaubt, sind das nie und nimmer wert. Wie sagt doch der sicherlich nicht regierungsferne scheidende WKO-Präsident Dr. Leitl: „Verändern: Ja, aber nicht zerstören! Reformieren: Ja, aber nicht kaputtmachen!“.

Die AUVA wird nicht renoviert oder verbessert, sondern zerschlagen. Und die Beiträge sollen gekürzt werden-aus der Sicht der Arbeitgeber. Es mag gut sein, die Wirtschaft zu entlasten. Aber was tut man mit denen, die die eigentlichen Arbeitgeber sind: Die ihre Arbeitskraft den Unternehmen überlassen . Sie sollen draußen bleiben, um Brecht zu zitieren.

Das geht nicht.

Dagegen sollte man sich wehren.

Wir Ärzte werden es tun.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

 

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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