Nein zur aktiven Sterbebegleitung

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Aber unbedingtes Ja zum Ausbau der Patientenverfügung

Die „aktive Sterbehilfe“ einer Frau, die das Leiden ihres Lebensgefährten beendet hat, hat viele Emotionen ausgelöst In den vergangenen Tagen ist die Frage nach der aktiven oder passiven Sterbehilfe erneut vehement gestellt worden.

Aus der Sicht eines Arztes und der Österreichischen Ärztekammer ist die Lage klar: Nein zur aktiven Sterbehilfe. Niemand hat das Recht, über das Leben eines anderen zu verfügen. Das gilt im Übrigen auch für die Todesstrafe. Sie darf es nicht geben. Punktum.

Was allerdings vehement ausgebaut werden muss, ist die Sterbeverfügung des Patienten. Hier wurde vor einigen Monaten eine deutliche Lockerung und Vereinfachung versprochen – ob und wie sie realisiert wird und vor allem, ob sie bei den Adressaten angekommen ist, kann niemand beurteilen.

Die Materie ist komplex, die Verunsicherung der Menschen hoch. Was ist, wenn ich meine Meinung ändere? Was ist, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, über mich selbst zu bestimmen? Und wie ist es mit dem medizinischen Fortschritt? Wie werde ich denken und fühlen, wenn es so weit ist?

Das alles beschäftigt die Patienten – und vielfach wissen sie nicht, wohin sie sich wenden sollen, wem sie vertrauen können.

Hier muss breite Kommunikationsarbeit einsetzen, statt ständig Emotionen hochkochen zu wollen. Das ist im Übrigen auch eine Empfehlung an die Medien.

Breite Information, Vereinfachung der Verfügung, Ausdehnung der Laufzeit.

Und gleichzeitig: Ausbau der Palliativmedizin. Es geht nicht nur um den Tod, es geht um ein würdevolles Sterben. Das ist Menschenrecht. Die palliativmedizinische Versorgung ist in Österreich – im Unterschied zu manchen anderen Ländern – unterentwickelt. Wir brauchen mehr Geld, mehr geschultes Personal, mehr Einrichtungen. Die Caritas und die Diakonie machen das vorbildlich. Aber allein sind sie zu schwach.

Deshalb: Nein zur aktiven Sterbebegleitung.
Ja zur erweiterten und erleichterten Patientenverfügung.
Und Ausbau der Palliativmedizin.
Das wäre eine solidarische, gerechte und menschliche Politik.
Wir haben ohnehin sozial Kälte genug.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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