Gesunder Geist – kranker Körper ?

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In diesen Tagen findet österreichweit die Zentralmatura statt. Etwa 45.000 Schüler treten zur Reifeprüfung an. Deutlich über 80 Prozent sollten sie positiv absolvieren und damit die Möglichkeit zum Studium haben.

Nicht ganz so gut schaut es aus, wenn man die körperliche Fitness der Maturakandidaten betrachtet: Laut Richtwert der WHO sollten sich Jugendliche im Alter bis etwa 17 Jahren, 60 Minuten lang pro Woche moderat bis anstrengend körperlich betätigen. Diesen Wert erreichen in Deutschland lediglich 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Buben. Zahlen in Österreich sind erfahrungsgemäß ähnlich. Auffällig dabei ist: vor allem die älteren Jugendlichen, also die 16 und 17-Jährigen, bewegen sich am wenigsten.

Die Kehrseite der Medaille. Österreich ist“ führend „unter den OECD-Ländern bei übergewichtigen, adipösen und Diabetes Mellitus Typ 2 erkrankten Jugendlichen. Dazu kommen signifikant steigende Herz-Kreislauferkrankungen bereits bei 15-Jährigen und älteren, sowie Schädigungen des Seh- und Hörvermögens. Dass Österreichs Jugendliche nahezu „Europameister“ im Trinken und Rauchen sind, sei nebenbei angemerkt. Wobei der Anteil der weiblichen Raucher im Ansteigen ist.

Vielleicht sollte man – als präventive Maßnahme – anlässlich der Zentralmatura auch eine zentrale Gesundenuntersuchung bei Jugendlichen durchführen. Und zwar mit erweitertem Programm, sodass junge Menschen auch eine Art Fitness-Zeugnis ausgestellt werden kann und man rechtzeitig noch Maßnahmen zur Gegensteuerung eingreifen kann.

Damit ich nicht missverstanden werde: Es geht nicht um Kontrolle und schon gar nicht um Bestrafung. Es wäre aber sinnhaft, wenn jeder, der die Reifeprüfung abgelegt hat, auch weiß, wie es um seinen körperlichen Zustand steht.

Eine derartige Maßnahme kostet nicht viel und kann künftige Kosten vermeiden, oder reduzieren. Und vor allem: es wäre die Chance das Thema Jugendgesundheit brei  zu kommunizieren.

Was für Maturanten eingeführt wird, könnte man künftig auch noch ausweiten. Auf alle Schulabgänger, die in die Lehr- oder Weiterbildung entlassen werden.

Es ist erwiesen und bestätigt, dass Jugendliche immer mehr Zeit sitzend verbringen, bedingt auch durch die moderne Kommunikationstechnologie. Es ist erwiesen, dass in der Schule der Turnunterricht – nach Religion – die höchste Anzahl an Abmeldungen und Befreiungen hat, und dass Turnstunden am häufigsten ausfallen, aus welchen Gründen auch immer.

Sportwissenschafter der Universität Heidelberg haben in einer Langzeitstudie – auch Kinder aus Österreich wurden befragt – bewiesen, dass Kinder und Jugendliche an Werktagen 10,5 Stunden pro Tag und an Wochenenden 7,5 Stunden pro Tag sitzend verbringen. Dabei fällt lediglich etwa die Hälfte davon auf Schulstunden.

54 Prozent der Freizeitbeschäftigung erfolgt sitzend, ohne Bewegung. 71 Prozent der gesamten Schulzeit wird sitzend verbracht.

Wir müssen uns nicht wundern, dass es um die Gesundheit der Jugendlichen nicht optimal bestellt ist.

Tun wir etwas.

Eine Gesundenuntersuchung ist einfach zu organisieren, relativ kostengünstig und kann viel ersparen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

 

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

 

 

 

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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