Die Wahrheit ist,…

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… dass wir ein gutes Gesundheitssystem haben.

Es mag vieles schief liegen in der Republik Österreich. Es mag enormer Reformenstau herrschen. Dass man aber ausgerechnet dort „scheinbar reformieren“ und sparen will, wo das System grundsätzlich in Ordnung ist, nämlich in der Gesundheitsversorgung, verärgert die tausenden Ärzte und verängstigt Millionen potentielle Patienten, die brav ihre Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Und Anrecht auf Leistung haben – und zwar solidarisch.

Versicherungen sind selbstverwaltend, weil sie auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, Solidarität und Subsidiarität aufgebaut sind. Ärzte sind deshalb in der Kategorie Freie Berufe und damit selbstbestimmt, damit sie nicht gegängelt und ihrem Tun gelenkt werden können.

Ein unabhängiges, selbstverwaltetes Sozial- und Gesundheitssystem ist deshalb autonom, weil es eine Garantie dafür darstellt, dass alle Patienten, gleichgültig wie viel sie verdienen, wie alt oder jung sie sind, wie gebildet oder nicht, das Anrecht auf spitzenmedizinische Behandlung haben, im Notfall sofort verarztet zu werden und nach der Erwerbstätigkeit ein Entgelt zum Überleben beziehen – inklusive Krankenversicherung.

Wer daran rüttelt, rüttelt an den Grundfesten des Wohlfahrtstaates. Und wer glaubt, mit wenig durchschaubaren Mechanismen die Selbstverwaltung und das System der Freien Berufe zu durchlöchern, begeht einen großen Fehler.

Nochmals: Wir Ärzte haben nichts gegen Reformen. Im Gegenteil: Wir wünschen wesentlich mehr Prävention, mehr Gesundheitserziehung, bessere Pflege und Rehabilitation – und vor allem leistungsgerechte Bezahlung für die Ärzte. Wenn dem nicht so ist, wird der Ärztemangel noch drastischer werden. Vor allem im Kassen- und Krankenhausbereich.

Im Gesundheitssystem herumzudoktern ohne primär die Leistungen für die Patienten im Fokus zu haben, führt ist zu befürchten zu einer Verschlechterung der Leistungen. Jedem vernünftigen Menschen muss einleuchten: Die Gesundheitsversorgung wird in Zukunft mehr kosten, weil die Lebenserwartung steigt, die Medizin Fortschritte macht, die Menschen länger mobil und gesund leben wollen, und neue chronische Krankheiten – Zivilisationskrankheiten – sich ausbreiten.

Wer wirklich sparen will, muss jetzt zur Geld in die Hand nehmen und in Prävention investieren. Dann werden die Folgekosten automatisch geringer werden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Ärztekammer für Österreich

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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