Lasst doch die AUVA in Ruhe…, es gibt genügend andere Baustellen.

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Die Regierung fordert von der AUVA einen Strukturreform und Einsparungen in der Höhe von 500 Millionen € ein. Eigentlich will sie die Arbeitgeberbeiträge für die Unfallversicherung senken. Und den Unternehmen 500 Millionen € ersparen. Das mag legitim sein.

Diesen Betrag kann man dort nicht einsparen ohne Leistungen massiv zu reduzieren. Die Regierung hat sich aber dazu bekannt, keine Spitäler oder Rehabilitationseinrichtungen schließen zu wollen, also muss jemand anderer die Einrichtungen künftig finanzieren.

Weniger erfreulich ist, dass man nicht Klartext redet. Man will die Leistungen der AUVA ins normale Gesundheitssystem integrieren. Oder eine Konstruktion entwickeln, damit der Koalitionspartner Einfluss bekommt. Beides hat nichts mit Gesundheitsreform zu tun. Die Wahrheit ist: Die AUVA-Spitäler arbeiten exzellent und sind Garant für eine funktionierende unfall- und notfallmedizinische Versorgung. Sie zu schließen, wäre fatal.

Nochmals: Es gibt genügend Gründe, bei den Leistungen der AUVA kritisch zu hinterfragen. Sie hat strukturell nicht die Aufgabe, Menschen nach Freizeitunfällen zu behandeln und Leistungen zu bringen, für die sie nicht eingerichtet und finanziert ist.

Es ist Fakt, dass Freizeitunfälle massiv im Anstieg sind und die Zahl der Arbeitsunfälle sinkt: weil es höhere Sicherheit am Arbeitsplatz gibt und weniger Menschen in Berufen mit harten, körperlichen Anforderungen und Gefährdungen arbeiten.

Wahr ist aber auch, dass die Zahl der chronischen, arbeitsbedingten Erkrankungen in die Höhe schnellt: Rückenleiden, Burn Out, Depression, Augenerkrankungen, etc.

Eine Lösung könnte sein, dass Arbeitnehmer verpflichtend eine Freizeitunfallversicherung abschließen. Jeder vernünftige Mensch sollte das von sich aus tun. Man kann es aber auch verpflichtend gestalten. Damit würden die Sozialversicherung – zumindest finanziell – entlastet. Es würden aber die Lohnnebenkosten nicht sinken, alleine die Arbeitnehmer und nicht die Arbeitgeber wären belastet. Ob das sozial ist, sei dahingestellt.

Wenn man wie versprochen, die Krankenhäuser belassen möchte, müssten die Länder einspringen und diese weiter betreiben und zahlen.  Die Bundesländer würden den Bund zur Kasse bitten und schlussendlich müssten die Steuerzahler einspringen, das heißt anstatt den Unternehmen würde die Allgemeinheit die AUVA Häuser finanzieren.

Unverständlich ist, dass gerade das wirklich vorbildhaft funktionierende System der AUVA aufgelöst werden soll. Hier wird sehr erfolgreich von Prävention über Behandlung, Rehabilitation bis zur Unfallrente alles unter einem Dach abgewickelt.

Im Vordergrund muss bei allen Entscheidungen stehen: Das Beste und Gerechteste für die Patienten. Auf höchstem Leistungsniveau.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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