Gesundes Sparen – oder Wohlbefinden für alle

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Am 19. Juni hat der städtische Untersuchungsausschuss zum Thema Krankenhaus Nord begonnen. Er soll befinden, wer die politische Verantwortung für den skandalbehafteten Bau trägt oder getragen hat. Ursprünglich hätte es 2013 eröffnet werden sollen. Mittlerweile schreiben wir 2018. Die Inbetriebnahme wird wohl vor 2019 nicht erfolgen. In der Zwischenzeit ist Wien um etwa 200.000 Bewohner gewachsen, um eine mittelgroße Stadt. Das alleine zeigt auf, wie komplex Gesundheitsversorgung in einer Metropole ist und es zeigt auf, welche finanzielle Dimensionen dabei im Spiel sind.

Ziel einer verantwortungsvollen Gesundheitspolitik sollte sein, Gesundheit so gut und so lange wie möglich zu erhalten, das Wohlbefinden des Menschen an erster Stelle zu setzen. Wir laufen oft Gefahr diesen Aspekt zu unterschätzen. Es wird zu wenig auf Rehabilitation nach Krankenhausaufenthalten geachtet und zu wenig in Vorsorge und Gesundheitsaufklärung investiert.

Wenn wir heute über Rationalisierung und Einsparungen reden – auch bei der Errichtung von neuen Krankenhäusern, deren Umbau und Sanierung – sollten wir vorher definieren, was die Häuser leisten sollen, welche Profile geschärft werden und welche Versorgungsleistungen erbracht werden. Dazu bräuchte es einen österreichweiten Krankenhausplan, der zentral erstellt und dezentral umgesetzt wird.

Es sollten jetzt schon zu erwartende Bevölkerungsflüsse und Wachstumsgebiete definiert werden – gerade im Umfeld des Krankenhaus Nord zB, wo extrem viel neu gebaut wird.

Es wird dringlich notwendig sein, rund um das Krankenhaus eine funktionierende Primärversorgung aufzubauen: genügend Allgemeinmediziner, weil gerade in den Bezirken jenseits der Donau die Bevölkerung am stärksten wächst.

In Aspern werden in den nächsten Jahren bis zu 30.000 Menschen wohnen, in den noch brach liegenden Grundstücken werden 20.000 – 25.000 Wohnungen neu errichtet. Das gilt es zu berücksichtigen, um weder Versorgungsnotstände noch heillos überlastete Spitalsambulanzen zu provozieren.

Transdanubien könnte zu einem Prüfstein für eine erfolgreiche oder eine gescheiterte, neue Gesundheitspolitik in Wien sein.

Deshalb geht es weniger darum, vergossene Mich zu thematisieren, als konstruktiv die Zukunft zu planen und zu überlegen, wie man für eine „neue Stadt“ mit einigen Hundertausenden Bewohnern, von vorneherein ein Netz gestaltet, das ebenso wohnortnahe Versorgung garantiert, wie erstklassige, akute Behandlung und nachfolgende Therapie.

Es könnte – nach allen Versäumnissen der Vergangenheit – ein Musterprojekt werden unter der Voraussetzung, dass sich alle Partner an einen Tisch setzen und gemeinsam agieren.

Wie gelingt es die „best point of services“ für Patienten zu organisieren?

Das sollte gemeinsam im Sinne der PatientenInnen gelingen.

ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

 

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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