Qualität ist ethische Verpflichtung

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Wenn Argumente fehlen, greift man zu Polemik, Emotion und Anschuldigung. An dieses Zitat fühlt man sich erinnert, wenn man die Vorwürfe von Patientenanwälten analysiert, die sich über mangelnde Qualität und Qualitätskontrolle in Arztpraxen beklagen. Dabei sind diese Patientenanwälte – zumeist bestellt von den Ländern und teilweise hoch bezahlt – in eben jene Qualitätsgremien und Institutionen eingebunden, die sie nun inkriminieren.

Die ÖQMed, eine Gesellschaft der Ärztekammer, ist für die Qualitätskontrolle in den Praxen zuständig. Sie arbeitet nach exakt definierten, vom Gesetzgeber abgesegneten und bestimmten, Richtlinien. Alle einschlägigen Untersuchungen beweisen, dass es kaum eine Berufsgruppe neben den der Ärzten gibt, die derart strengen Qualitätsnormen unterliegt, laufend überprüft werden. Ärzte müssen sich auch laufend fortbilden. Jedes Kammermitglied muss die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen dokumentieren. Man benötigt verpflichtend ein Fortbildungsdiplom, welches überprüft wird und 96% aller österreichischen Ärztinnen und Ärzte erfüllen diese Verpflichtung. Wenn sie nicht erfüllt wird, gibt es Disziplinarverfahren mit empfindlichen Strafen die bis zum Entzug der Berufsberechtigung gehen können. Das ist Vorschrift.

Patientenanwälte sind primär dazu da, sich für die Rechte von Patienten – vor allem im muralen Bereich – einzusetzen, auf Missstände hinzuweisen und Verbesserungen einzufordern.

Das ist wichtig und richtig. Doch Patientenanwälte sollen sich auf das konzentrieren, wofür sie angestellt und bezahlt sind, und nicht polemische Anti-Standpolitik betreiben oder Gesundheitsrichter spielen.

Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten in der Praxis und den Praxen: Dazu bedarf es des ständigen Dialogs mit den Betroffenen, den Ärztevertretern, den Betreibern der Krankenhäuser und natürlich auch mit den Kontrollorganen. Die Patientenanwälte sind Mitglieder der entscheidenden Gremien der ÖQMed, die Vorgaben werden durch das Gesundheitsministerium bestimmt, sie können auch verändert werden, aber Einrichtungen deren Vorgaben man selber bestimmt, unreflektiert zu kritisieren, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Aber wir ersuchen – auch im Interesse der Patienten und der engagierten niedergelassenen Ärzte – in Zukunft von polemischen Zwischenrufen abzusehen – außer man hat handfeste Argumente.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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