Hurrah! Wir leben noch.

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Mehr als ein Drittel der österreichischen Kinder und Schüler kann nicht schwimmen, jeder zweite Wiener Schüler kann nicht auf einem Bein stehen, ein weiteres Drittel kann nicht rückwärts, zum Beispiel in eine Straßenbahn ,einsteigen, nahezu die Hälfte der unter 14-Jährigen sind zumindest leicht übergewichtig, über 10 Prozent sind adipös. Die Zahl der Abmeldungen vom Turnunterricht steigt seit Jahren – das mag auch religiöse Gründe haben. Fakt ist: Österreichs Jugend ist körperlich und in der Mobilität nicht gut aufgestellt.

Millionen schauen täglich die Fußball WM, viele Fußballvereine hingegen sind kaum noch in der Lage, eine Kinder-, Mädchen- oder Jugendmannschaft aufzustellen. Es gibt zu wenig Interesse.

Die Zahl derjenigen, die sich aktiv und passiv an E-Sports beteiligen hingegen explodiert. Banal gesagt: Man spielt lieber Fifa als am Feld.

Eine Teilschuld haben auch die Schulen: Noch immer ist die tägliche Sport- und Bewegungsstunde nicht flächendeckend umgesetzt, noch immer ist es so, dass die Sportplätze in den Schulen im Sommer geschlossen sind, wie die Schulgebäude selbst. Offensichtlich herrscht Personal- und Betreuungsmangel.

Die großen Spitzenvereine haben zwar je ein neues Stadion – mit Millionen Unterstützung seitens der öffentlichen Hand – errichtet, Rapid aber hat beispielsweise nicht einmal eine Mädchenjugendmannschaft – trotz internationaler Erfolge der Österreichischen Nationalmannschaft.

Dass unsere Kinder und Jugendlich beim OECD-Vergleich schlecht und falsch ernährt sind, zu viel und zu früh rauchen, zu viel Alkohol konsumieren, ist ohnehin seit langem bekannt.

Mittelfristig, so befürchten Forscher an der MedUni-Graz, wird damit auch die gesunde Lebenserwartung wieder sinken, diese Generation tritt mit körperlichen Handicaps in die Berufswelt oder in das Erwerbsleben ein.

Spielsucht ist mittlerweile laut WHO als Krankheit respektive Sucht anerkannt. Ob das ein Appell zum Umdenken ist, oder im Gegenteil eine bequeme Entschuldigungswelle auslösen wird, bleibt abzuwarten.

Immerhin geht es uns gut, Hunderttausende werden in den nächsten Tagen und Wochen mit den Eltern auf Urlaub fahren – hoffentlich gibt es keine Badeunfälle.

Es ändert nichts an den dringlichen Forderungen: Tägliche Turnstunde, Mobilitätsunterricht, Schwimmunterricht und Gesundheits- und Ernährungslehre gehören eingeführt. Konsequent.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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