Mängelwirtschaft Gesundheit ?

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Es gibt einen alten DDR Witz. Jemand betritt ein Kleidergeschäft und fragt ob sie keine Hosen nicht hätten. Der Verkäufer: Wir habe keine Sakkos, keine Hosen finden sie nebenan im Geschäft. Manchmal fühlt man sich im Österreichischen Gesundheitssystem daran erinnert. Im Sommer werden Abteilungen in Krankenhäusern geschlossenen oder zusammengeschlossen am Land werde Primariate nicht nachbesetzt, in manchen Städten tut man sich schwer, einen raschen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, da selbst die Wahlärzte wochenlang ausgebucht sind und zudem viele auf-wohlverdienten -Urlaub.

Noch haben wir ein vorbildliches -manche sagen zu teures und schwerfälliges, überadministriertes- Gesundheitsversorgungsystem, sowohl stationär, ambulant als auch in der Erstversorgung. Die Betonung liegt auf noch und den urbane Raum.

Die Politik ignorierte Warnungen seitens der Ärzte und namhafter Gesundheitsexperten im Gegenteil, sie drückt noch mehr auf die Kostenbremse. Und macht keine Anstalten, wirklich mutige Reformschritte zu setzen.

Organisatorische Umstrukturierung aus Machtwillen ist das einzige, das man bisher als Kontinuum beobachten konnte. Ansonsten herrscht manchmal unglaublicher Dilettantismus, widersprechen einander die Beteiligten, brechen Dämme der Inkompetenz auf.

Manchen Gesundheitspolitiker neigen dazu, den schwarzen Peter an die niedergelassenen Ärzte weiterzuschieben, weil diese angeblich ihre Ordinationszeiten nicht ausweiten wollen, andere sehen in den Spitälern Personalüberhang, obwohl sie-umgerechnet auf Vollzeitäquivalente- oft gar nicht wissen wieviele Beschäftige ein Krankenhaus hat.

In einer Art Salamitaktik werden Kontingentierungen betrieben, Investitionen gestoppt, weil man vorher angeblich evaluieren möchte,

Nun soll also der Zwist unter den Sozialpartnern verschärft werden, man spielt Länder gegen den Bund aus und umgekehrt. Es herrscht offensichtlich der eiserne Willen, die Selbstverwaltung zu zerschlagen, man will die AUVA killen, um den Unternehmen Kosten zu ersparen und gleichzeitig die Zuwendungen zur Arbeiterkammer zu kürzen.

Das hat mit sozialer Gesundheitspolitik nichts mehr zu tun. Das ist das bewusste Evozieren einer Mängel Wirtschaft um dann doktrinäre Lösungen zu finden.

Um Gesundheit, um Wohlbefinden jener Menschen, die keine Privilegien haben, wenig verdienen, kaum Karrierechancen haben, ja selbst um das Wohlergehen der Pensionisten, die Jahrzehnte in die Sozialversicherung eingezahlt haben, schert man sich wenig.

Ja, man hat den Pflegeregress abgeschafft, aber man hat noch immer kein befriedigendes Pflegegesetz oder gar eine Pflegeversicherung eingerichtet.

Laissez-faire ist ein Hilfsausdruck dafür. Spaltung der Gesellschaft ist eher richtig.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

 

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