Reden wir über Exzellenz !

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Jenseits der derzeit heftigen Polemiken sollte auch einmal daran erinnert werden, dass Österreichs Gesundheitssystem ein gutes, noch funktionierendes ist und ein Niveau erreicht hat, von dem andere – sogar reichere Länder – nur träumen können.

Vor allem aber, sollte daran erinnert werden, dass Österreich in Sachen Spitzenmedizin und medizinischer Forschung on Top ist. Das gilt für die universitäre Forschung, ebenso wie für neue Operationsmethoden, Therapien oder Medikationen.

Man sollte daran erinnern, dass das AKH und die MedUni Wien das größte Krankenhaus Europas ist, das LKH Klagenfurt bis weit in die Nachbarregionen hinein aktiv ist, ebenso wie das Linzer LKH und Forschungsinstitute wie CEEM oder IMBA oder Doppler-Institut  Weltrang genießen.

Und wir sollten alles unternehmen, diesen Ruf auszubauen, statt ausschließlich zu nörgeln. Es ist anerkennenswert, dass zum Beispiel zahlreiche Studierende und Ärzte an den medizinischen Instituten ihre Freizeit der klinischen und Grundlagenforschung widmen, dass Österreich das europaweit vorbildlichste Transplantationsgesetz hat und dass der Forschungsstandort Wien immer noch Anlaufstelle für Experten aus dem Ausland ist.

Und man wird auch da globaler denken müssen: Raschere und einfachere Arbeitsgenehmigung für Wissenschafter und forschende Mediziner, Erhöhung der Forschungsförderung in der Grundlagenforschung, Unterstützung von medizinischen Spin Offs, wie es die ETH Zürich tut.

Es ist nicht alles beklagenswert in diesem Land. Vor allem sollte man die Scharmützel, die reine Macht- und Diadochenkämpfe darstellen, beenden.

Gewiss, die Gefahr, dass wir das hohe Niveau der Gesundheitsversorgung nicht so leicht halten können, wenn man nicht mehr Geld – statt weniger – in Gesundheit und vor allem in Vorsorge investiert, ist hoch. Ja akut.

Deshalb – zu Beginn der Ferienzeit, da manche gestressten Politiker vielleicht etwas Auszeit nehmen – sollte eine Nachdenkphase eintreten: Was ist sinnhaft? Wo liegen die wirklichen Schwächen? Und vor allem: Wie kann man das volkswirtschaftliche Potential, das der Gesundheitsmarkt als Wachstumsmarkt bietet, noch besser nutzen werden?

Schließlich werden dadurch nachhaltig langfristige Arbeitsplätze geschaffen, können Leistungen und Knowhow exportiert werden, die Österreichs Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Ich erwarte aber ein Bekenntnis von allen Beteiligten: Ausbau und Erhaltung des sozialen Gesundheitssystems, Sicherung der spitzenmedizinischen Behandlung für alle, niederschwelliger Zugang zu allen medizinischen Leistungen sind unantastbar. Und: Massive Investitionen in Gesundheitserziehung, Ernährungskunde und Selbstverantwortung der Menschen für ihre Gesundheit sind ebenso wichtig wie Investitionen in IT und IKT sowie digital Creativity.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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