Reden wir über Qualität. Reden wir über den Rechnungshof und Fehlerkultur

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Zunächst eine Feststellung: Die Ärzte bewerten sich nicht selbst, sie füllen einen Fragebogen aus, der von einem wissenschaftlichen Beirat unter Vorgaben des Gesundheitsministeriums erstellt wurde.

Zum Zweiten: Die Ärztekammer ist im – entscheidenden – wissenschaftlichen Beirat der ÖQMed nicht mehrheitlich vertreten.

Zum Dritten: Wir haben nichts dagegen, dass die Berichte der ÖQMed veröffentlicht werden. Die Entscheidung darüber liegt ebenfalls beim Gesundheitsministerium.

Das ist weder eine Pauschalausflucht noch eine Selbstverteidigung. Es ist die Wahrheit

. Dass es auch innerhalb der Ärzteschaft schwarze Schafe gibt, bestreitet niemand. Wir sind offen für jedes andere Qualitätskontroll- und Sicherungsinstrument. Es muss lediglich korrekt sein.

Es gibt kaum eine Berufsgruppe, die ähnlich strenge Qualitätsrichtlinien wie die Ärztekammer und ein verpflichtendes Fortbildungsprogramm hat, das jeder Arzt absolvieren muss. Dazu gibt es – vor allem von Seiten der Ärzteakademie und der Fachgesellschaften – ein umfassendes Angebot, das laufend adjustiert wird.

Ich bin – wie mein Kollege Präsident Wechselberger – durchaus der Ansicht, dass eine Entflechtung in der Finanzierung vorgenommen wird und die ÖQMed ihre Gebühren direkt bei den Ärzten einhebt. Man muss dazu lediglich das OK des Gesundheitsministeriums einholen, wie bei allen anderen Aufgaben, welche die Ärztekammer im staatlichen Auftrag erledigt.

Man kann auch – gern sind wir offen dafür – einen neuen Fragenkatalog diskutieren, in dem alle Stakeholder ihre Wünsche einbringen, wobei die Anmerkungen des Rechnungshofes bereits umgesetzt wurden.  Ich möchte dabei nochmals darauf verweisen, dass auch Patientenvertreter im wissenschaftlichen Beirat mitwirken – und die Patientenanwälte laden wir herzlich zu mehr konstruktiver Mitarbeit ein, mit dem Wunsch, dass sie sich vorher über das informieren, was sie dann kritisieren.

Es gibt zudem mit CIRS eine Fehlermeldungseinrichtung auf anonymer Basis, das ein wesentliches Korrektiv darstellt. Nichts ist uns wichtiger als die Stabilisierung eines Bewusstseins für Fehlerkultur.

Man muss sich aber wehren, wenn aufgrund eines Rechnungshofsberichts Verwechslungen entstehen und halbwahre Kommentare veröffentlicht werden.

Mut zur Qualität.
Das beweisen wir täglich.
Und bitte: Helft uns alle mit, unsere Qualität zu verbessern.
Aber: Mit noch mehr Administration wird das nicht gehen. Darunter leidet die Qualität am meisten.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Ein Gedanke zu „Reden wir über Qualität. Reden wir über den Rechnungshof und Fehlerkultur“

  1. Ich weiß schon, es ist „ein wenig“ polemisch, aber ich wünschte mir, der Rechnungshof würde auch einmal Politiker/Innen überprüfen, bezüglich Aus-und Weiterbildung,Berufsberechtigungsprüfung,Qualitsüberprüfung inklusive Ergebnisqualität und juristische Verantwortlichkeit bei klaren Fehlentscheidungen. Das alles müsste ja verlangst sein, wenn Mann z. B. gleich mehrere Ministerresorts hintereinander führen kann

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