Investieren wir in Gesundheit!

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Die Konjunktur brummt, stark wie selten zuvor. Es gibt mehr Arbeit denn je, die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Die Defizite der Sozialversicherungen werden kleiner. In Zeiten der Hochkonjunktur soll man investieren: nachhaltig. Zum Beispiel in den Wachstumsmarkt Gesundheit.

Jeder Euro, der heute in Prävention und Vorsorge investiert wird, rechnet sich mehrfach  in wenigen Jahren: weniger chronische Krankheiten, weniger Arbeitsausfälle, sinkende Spitalsaufenthalte und weniger Ausgaben für Medikamente.

Jeder Euro, der heute in vernetzte Systeme investiert wird – e-Health mit Verantwortung – schafft bessere Abläufe, verringert die Anzahl von Untersuchungen, entlastet Ambulanzen und stärkt die Position des Allgemeinmediziners.

Das alles sind nicht Ausgaben, die man einsparen sollte, wie manche Gesundheitsökonomen meinen, sondern Investitionen in eine gesündere Zukunft.

Der Gesundheits- und Pflegemarkt zählt zu den am schnellsten und nachhaltigsten wachsenden. Bereits derzeit werden im Jahr 30 Milliarden Euro für Gesundheit und Krankheitsbekämpfung ausgegeben, nicht eingerechnet die Ausgaben für Fitness, Wellness und gesundheitsfördernden Sport. Der volkswirtschaftliche Effekt ist gewaltig. Man rechnet mit dem Zehnfachen.

Wir erleben jetzt einen dramatischen Paradigmenwechsel durch die digitale Wende; mit dem Internet der Dinge, der Interaktion zwischen Maschinen, mit hybriden Steuerungselementen und Deep Learning ändert sich die Gesellschaft fundamental. Auch der Gesundheitsbereich. Jetzt heißt es investieren: in intelligente Krankenhäuser und selbstlernende Diagnosesysteme, in Big Data und Algorithmen, die selbst lernen.

Wer davon profitiert: die Patienten, aber auch die Ärzte und der Gesundheitsapparat.

Je mehr Ärzten Routinearbeit abgenommen wird, umso stärker können sie sich dem Patienten zuwenden. Umso stärker kommen wieder der integrative Ansatz der Gesundheitsvorsorge und der ganzheitliche Blick auf den Menschen zum Zuge.

Denn letztendlich ist es immer noch der Arzt, der die finale Entscheidung trifft, der unterschiedliche Zusammenhänge erkennt.

Es überrascht nicht – in Zeiten der permanenten Selbstvermessung und Selbstvergewisserung – dass Gesundheitsapps boomen, Menschen sich freiwillig messen und bemessen lassen, an Alerting-Dienste gewohnt sind, die ihnen sagen, wann sie welche Medikamente nehmen sollen oder wann die nächste ärztliche Überprüfung notwendig ist. Elektronische Informationssysteme haben längst den Alltag erobert. Keiner ist mehr ohne Smartphone unterwegs. Selbst ältere Menschen haben sich daran gewohnt.

All das sind Chancen, die man erkennen und jetzt umsetzen muss. Das heißt, dass wir uns alle bewegen müssen, eigene Positionen reflektieren und dennoch kritischen Blick auf die Datenkulturen werfen müssen: vom Datenschutz bis zur Sicherung der Intimität des Patienten.

Wenn der Staat klug ist, betrachtet er die Beträge, die ins Gesundheitssystem fließen, nicht als Ausgaben sondern als vorgenommene Investition in Volksgesundheit. Dann erübrigen sich manche Sparpläne, die nur kurzfristig wirken, von selbst.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

 

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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