Ende des Verschubbahnhofes! Transparente Geldflüsse. Und: Geld folgt Leistung.

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Nun ist die Debatte entbrannt, ob die unterschiedlichen Versicherungen einander quersubventionierten. AUVA neu -retour? Die Verwirrung wird immer größer. Wer profitiert letztendlich von der Krankenkassenreform und der angestrebten Neuorganisation des Gesundheitswesens. Die Ärzte und diejenigen, die täglich ihre Leistungen erbringen und sich über das übliche Maß hinaus engagieren? Die Patienten, die teilweise seit Jahrzehnten schon in die Sozialversicherung einzahlen? Oder ist es der Finanzminister? Sind es irgendwelche Lobbys, deren Interessen bedient werden? Dabei geht es um eines: Das Wohl der Patienten, und eine ausreichende Finanzierung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung auf hohen Niveau – und bei möglichst niedrigschwelligen Zutritt für alle.

Mittlerweile fällt es selbst Experten schwer, sich auszukennen. Geht es lediglich um eine Umschichtung und Umverteilung von Kosten, um die Entlastung der Unternehmen unter dem Deckmantel der Gleichstellung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern? Geht es um Macht und Einfluss? Oder geht es wirklich darum, mehr Transparenz ins System zu bringen, unnötige Zwischenebenen zu straffen und vor allem den niedergelassenen Bereich zu stärken, um Spitäler und Ambulanzen zu entlasten oder neu zu organisieren?

Zwar beteuern alle, wie wichtig die qualifizierte und wohnortnahe Erstversorgung ist, reden von best Points of Services und der Aufwertung des Hausarztes – aber es geschieht nicht viel.

 

Unter diesen Umständen werden noch weniger Ärzte eine Kassenpraxis anstreben, kaum jemand wird bereit sein aufs Land zu ziehen und der Ärztemangel wird exponentiell zunehmen.  Das gilt auch für Gruppenpraxen. Auch hier müssen die Honorare erhöht und die Flexibilität gesteigert werden. Allerdings bei einem Grundsatz: Solche Praxen sollen nicht im Eigentum von fachfremden Kapitalgesellschaften sein, sondern weiterhin im Eigentum von Ärztinnen und Ärzten.

Die Regierung sollte einsehen, dass nicht nur Bezahlung – auch Ärzte müssen unternehmerisch denken und handeln – alleine zählt, sondern die Umfeldbedingungen: Teilzeitanstellungen, Teilen von Kassenstellen in zwei halbtags Positionen, administrative Entlastung und Investbeiträge, zum bespiel in EDV und Praxisinfrastruktur. Vor allem aber sollen sie das Ausverhandeln denjenigen überlassen, die den Markt, die Umstände, die Bedürfnisse der Menschen und die lokalen und regionalen Gegebenheiten kennen. Das gilt im Übrigen auch für Großstädte und deren komplexere Anforderungen.

Wichtig wäre, Polemik aus der Debatte herauszunehmen und faktenbasierend zu diskutieren und zu handeln.  Ja- das Gesundheitssystem muss reformiert werden. Aber nicht durch einen Kahl- und Axtschlag, sondern in einem laufenden evolutionären Prozess. Denn: Die Anforderungen werden nicht nur größer, sie steigen auch in ihrer Komplexität und die technische Entwicklung ist schneller als die Politik und die Gesetzgebung .

Ärzte wollen nicht auf Privilegien-die es kaum gibt – beharren, sondern eingebunden werden in gesndheitspoltsiche Prozesse. Nicht nur das: Mitreden und mitgestalten. Man kann ein Haus nicht verändern, ohne dessen Grundfeste zu stärken: und diese sind nun einmal die Ärzte, die Pflege Fachkräfte und die Autonomie und Selbstverwaltung der Beteiligten.

Deshalb: Karten auf den Tisch, ordnen, aufräumen und Anpassungen vornehmen, ohne das Gute Ganze zu gefährden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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