Auf ins Spital Limmattal. Wie man Krankenhäuser auch bauen kann

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Das Limmattal Spital nahe Zürich hatte vor Jahren einen Neubau gleich neben dem alten Haus beschlossen. Nun ist es fertig: 200 stationäre Betten, 12 Tagesklinik-Plätze, 25.300 m² Nutzfläche, Gesamtkosten 270 Millionen Franken, das entspricht etwa 240 Millionen Euro. 5 Operationssäle und 3 Eingriffsräume. Kapazität 10.500 stationäre und 63.300 ambulante Patienten. Es geht also, wenn gut geplant wird. Bauzeit: knapp vier Jahre.

Man kann das Limmattal Spital nicht mit dem Krankenhaus Nord direkt vergleichen. Aber man kann die Kosten für ein stationäres Bett evaluieren: 1,35 Millionen Franken oder 1,2 Millionen Euro.

Das Limmattal Spital ist ein Beleg- und öffentliches Krankenhaus. Für Privat und AHV-Versicherte.

Im Anschluss ist für die nächsten Jahre ein Pflegehaus geplant, für ältere Menschen. Das Spital ist gleich ums Eck.

Wie gesagt, Vergleiche mit dem Krankenhaus Nord sind nur bedingt möglich. Aber es wird gezeigt: Man kann vernünftig, in realistischen Bauzeiten und angepasst an die Bedürfnisse der Patienten bauen und planen und zudem modernste Technologien einsetzen.

Man wird mehr Wert auf gute ambulante Leistungen legen und arbeitet – nach einigem Hin und Her – eng mit den Allgemeinmedizinern in der Gegend zusammen. So entsteht – zumindest in der Theorie – ein Point of Best Service.

Das Schweizer Gesundheitssystem kann nicht mit dem österreichischen verglichen werden, es hat seine Schwächen und zuletzt gab es große Auseinandersetzungen um Einsparungen. Zudem gibt es keine absolute Wahlfreiheit des Patienten.

Was ich damit sagen will: Es schadet nicht, sich woanders umzusehen, zu lernen oder auch Anregungen zu nehmen. Und es schadet nicht, nachzudenken, wie man die Versorgung besser, effizienter und patientenfreundlicher gestalten kann, ohne Leistungen zu mindern und Barrieren aufzubauen.

Für Österreich muss weiterhin gelten: kostenfreien Zugang zur Spitzenmedizin und möglichst enge Verzahnung zwischen muralem und extramuralem Bereich, ambulante Leistungen dort, wo sie bestmöglich erbracht werden können. Das wird zum Großteil im niedergelassenen Bereich der Fall sein. Tageskliniken ja, wenn sie sinnhaft sind und auch kostendeckend.

Die Herausforderung der kommenden Jahre sind so gewaltig, dass es wenig Sinn macht, sich in Kleinigkeiten zu zerfleischen und Machtspiele zu prolongieren.

Die Schweiz ist bekannt für ein ausgereiftes, jahrhundertelang gewachsenes föderales System, das natürlich seine Schwächen und Provinzialismen hat. Aber es funktioniert – weil die Bürger eine gewisse Mündigkeit haben, sich als Teil der Gesellschaft begreifen.

Auch das ist ein Thema, dass es in Österreich zu debattieren gilt. Jahrzehntelanger Paternalismus macht unmündig. Und führt zu systemischen Verkrustungen.

Wie gesagt, reflektieren und sich woanders umschauen schadet nicht. Es weitet den Blick.

Medizin heißt auch: Von anderen Lernen.

(Kurs: 1 CHF = 0,89 Euro, aufgerundet, Stand 18.09.2018)

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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