Mit Nachdruck: 1 Milliarde für Gesundheit. Verschlanken um zu investieren

3,095 total views, 5 views today

Die Bundesregierung will am System und in der Verwaltung sparen. Wer einspart, hat im Sozialstaat eine einzige Verpflichtung: Erspartes Geld sofort wieder zu investieren. In eine bessere Praxis, sprich in die flächendeckende Gesundheitsversorgung und in Prävention – damit es von vorne herein mehr gesunde Menschen gibt. Deshalb bestehen wir darauf! Was durch die Krankenkassenreform eingespart wird, muss der medizinischen Betreuung zu Gute kommen. Mehr für Allgemeinmediziner, mehr für Ausbildung und mehr für die Zuwendung zum Patienten.

Die Milliarde ist nicht aus Jux und Tollerei gefordert, sondern aus der Not und aus berechtigten Sorgen um die Erodierung eines grundsätzlichen Übereinkommens: Kostenfreier und niederschwelliger Zugang zur Spitzenmedizin für alle. Wohnortnahe Versorgung, wenn wir das nicht schaffen, haben wir nicht nur endgültig eine Dreiklassenmedizin, sondern die Kosten für das Gesundheitssystem werden nochmals explodieren und denjenigen in die Hände spielen, die heute schon für eine Privatversicherung eintreten.

Dagegen müssen wir kämpfen.

Eine Milliarde ist angesichts der deutlich steigenden Steuereinnahmen – vor allem von der Lohnsteuer, die wir alle bezahlen – nicht viel. Aber sie trägt dazu bei, Gefährdetes abzusichern. Wollen wir zulassen, dass ganze Landstriche ohne ärztliche Versorgung dastehen, dass sich in rasch wachsenden, urbanen Bezirken kein Allgemeinmediziner mehr niederlassen will. Wollen wir zulassen, dass die Wartezeiten weiter steigen und für bestimmte Fächer nicht einmal die Grundversorgung geleistet werden kann. Stichwort: Kinderpsychiatrie, Kinderarzt, Dermatologie.

Wollen wir zusehen, wie die Zahl an adipösen Kindern weiterhin explodiert, weil soziale und kognitive Unterschiede steigen und die schulärztliche Betreuung ausgedünnt wird, weil die Entlohnung jenseits des Realen ist.

Wollen wir zulassen, dass es Krankenhäuser gibt, die keine Turnusärzte mehr bekommen und sogar das Geld fehlt um ordentlich zu evaluieren wie und wo man Best Services of Health einrichten sollte.

Wollen wir zusehen, wie Infrastrukturen verrotten. Ich nenne lediglich das AKH, das – noch – einen exzellenten Ruf genießt. Doch es wird Investitionen brauchen um den State of the Art zu erhalten – Investition in Geräte und in Humanressourcen.

Die Milliarde brauchen wir notwendig und zwar nicht einmal, sondern jährlich. Den Beteiligten sollte klar sein, wie wichtig ein gesundes, fittes Österreich ist: körperlich, psychisch und intellektuell. Das heißt: Geld für Bildung und Gesundheitserziehung und für Gesundheitsversorgung. Von den Problemen, die in Sachen Alterspflege auf uns zukommen, will ich da noch nicht reden.

Hier rollt eine Lawine auf uns zu, die täglich an Fahrt und Volumen aufnimmt.

Augen zumachen hilf nicht.

Und das Spargerede nervt. Gerade diejenigen, die gar nicht mehr sparen können. Weil sie es sich nicht leisten können.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen