Hingehen. Abstimmen! Für die kommenden Generationen. Für ein gesünderes Österreich.

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Ab 1. Oktober haben die Österreicherinnen und Österreicher nicht nur die Gelegenheit das Rauchverbot in der Gastronomie und Hotellerie durchzusetzen, sondern auch ein Symbol zu setzen: Keine Gesundheitspolitik über die Interessen der Menschen hinweg. Keine Kompromisse und Tauschhändel, wenn es um Gesundheit geht. Und: Mehr in Vorsorge und Aufklärung investieren. Hier sind wir europaweit Nachzügler. Ebenso wie in der Jugendgesundheit. Das sollte sich ändern. Ein klares Rauchverbot in der Gastronomie ist ein erster, wichtiger Schritt dazu

Gesundheitspolitik ist gut, wenn sie Gebots- und Informationspolitik ist und von den Interessen und Bedürfnissen der Menschen ausgeht. Gesundheitspolitik ist keine Spar- und Ressourcenschonungspolitik. Und schon gar nicht Rationierungspolitik. Es ist gut, wenn man auf die Kosten schaut. Es ist gut, wenn man Skandale aufdeckt: vom KH Nord bis zu anderen Renommee-Projekten.

Aber ist noch viel besser, wenn man sich ernsthaft überlegt, wie man Menschen in diesem Land so lange wie möglich gesund erhalten kann, wenn man dafür sorgt, dass niemand Angst haben muss, nicht, schlecht oder zu spät behandelt und alleine gelassen zu werden. Menschen haben Angst: vorm Alleinsein und Immobilität im Alter, sie haben Angst, dass sie sich Operationen nicht leisten können, sie machen sich Sorgen, wer sie einmal pflegen wird, wenn sie der medizinischen und sozialen Pflege bedürfen.

Diese Angst muss man den Menschen nehmen. Indem – auch steigende – Ausgaben für Gesundheitsversorgung nicht permanent in Frage gestellt werden, oder  man absurderweise die Ausgaben für Gesundheit am BIP-Wachstum koppeln möchte.

Es muss – und auch  das ist eine Botschaft des Anti-Raucher-Volksbegehrens – außer Frage stehen, dass jeder in Österreich kostenfrei und ohne lange Wartezeiten die beste Behandlung erfährt. Und es muss eine funktionierende, wohnortnahe Versorgung garantiert sein. Das ist Pflicht und Bringschuld eines Sozialstaates seinen Bürgern gegenüber, die genügend Steuerleistungen aufbringen.

Und das heißt auch: Genügend Ärzte und Pflegekräfte, bei leistungsadäquater Bezahlung und dementsprechender Wertschätzung. Wenn die Rahmenbedingungen für beide Berufe sich weiter verschlechtern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Ärztemangel und Pflegermangel noch dramatischer werden.

Ein Gesundheitssystem muss sich an sich rasch ändernde gesellschaftliche Bedingungen anpassen. Und nicht künstliche Grenzen einziehen, nur weil sich eine Regierung einbildet, um jeden Preis ein ohnehin fragwürdiges Nulldefizit zu erzielen.

Das sind Ziele, die an den Interessen der Menschen vorbeigehen. Und letztendlich auch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes schmäleren. Den Ökonomen sei ins Stammbuch geschrieben: Sie sollten nicht vergessen, dass der Gesundheitsmarkt der am raschesten – und nachhaltigsten – wachsende ist. Und nicht ein Defizitfaktor.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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