Gesundheit ist unteilbar! Toleranz zeigen, gegen Gastro-Rauchen stimmen

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Bislang war das der Zustrom zum Anti-Raucher-Volksbegehren erfreulich hoch. Das ist ein gutes Zeichen: Das Gesundheitsbewusstsein der Österreicher hat sich deutlich geändert. Nicht nur für die eigene Gesundheit, auch für das Wohlbefinden der Mitmenschen. Denn auch darum geht es: Niemand soll zwangsläufig mitrauchen müssen. Es geht also vor allem um Nichtraucherschutz. Kinder, Mitarbeiter in der Gastronomie, Gäste. Das ist nicht nur ein Zeichen für Gesundheitsbewusstsein und Empathie, sondern auch für demokratische Reife. In Zeiten wie diesen erscheint mir das wichtig.

Es betrifft nicht nur das Rauchen. Jeder Abusus, der  andere in Mitleidenschaft bringt, ist Egoismus und Einschränkung der Freiheit des jeweiligen anderen. Nicht alles kann man durch Verbote regeln. Vieles über den Preis.

In Ländern wo Treibstoffkosten besonders hoch sind, wird weniger mit dem Auto gefahren. Wenn Zigarettenpreise so hoch sind, dass viele sich das Rauchen nicht mehr leisten können und wollen, sinkt der Anteil der Raucher.

Es bringt wenig, Snacks, süße Limonaden oder sonstige fettgetränkte Speisen zu verbieten. Aufklärung hilft. Konzerne wie Coca-Cola und McDonald‘s spüren das schon und disponieren um, um die Erträge stabil zu halten. Das aufgeklärte Bewusstsein der Konsumenten ist die beste Waffe.

Aufklärung und Information hat auch wieder soziale Aspekte: Signifikant viele Raucher und fette Kinder finden sich in Unterschichtfamilien oder Familien mit geringem Haushaltseinkommen und Bildungsstand. Die meisten adipösen Kinder weltweit sind in den Schwellenländern wie Brasilien, Argentinien, aber auch China.

Deshalb ist Gesundheitspolitik stets ein Bündel aus mehreren Maßnahmen: Sanfter Druck und Gebote sowie Verbote sind die Ultima Ratio. Wichtiger sind Aufklärung, Information, Erziehung zu Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein bereits im Kindergarten. Und Zuhause.

Jeder Markenartikler weiß: Wer in jungen Jahren Vorlieben und Markentendenzen aufbaut, wird leicht abhängig. Wer als 14-Jähriger schon raucht, wird sich das Rauchen wesentlich schwieriger abgewöhnen, als ein 18-Jähriger, der es einmal ausprobiert.

Dasselbe gilt für Snacks, Süßigkeiten, Fast Food. Nur kollektiver gesellschaftlicher Druck und Infrastrukturmaßnahmen in den Institutionen können Verhaltensänderungen herbeiführen: gesunde Speisen in Ganztagsschulen, ausreichendes Angebot an Bewegung- und Sport, Ernährungskunde. Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wie eine Tomate oder ein Salatkopf aussehen, geschweige denn, was welches Gewürz und Kraut ist. Hier muss man ansetzen.

Wie wäre es mit Butterbrotstreichen?

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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