Alternativmedizin statt Kurpfuscherei Ein Lob dem neuen Alternativmedizin-Gesetz!

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Alternativmedizin ohne Schulmedizin ist nicht immer seriös. Nur jemand, der Schulmedizin absolviert hat, soll alternative Medizin anwenden. Das ist logisch, sinnhaft und schützt vor Scharlatanerie. Deshalb: Ja, zum neuen Gesetz zur Alternativmedizin. Denn Alternativmedizin ist kein Ersatz, sondern Ergänzung. Eine Alternative eben.

Mit dem Begriff Alternativmedizin wurde in den vergangenen Jahren viel Schindluderei getrieben: Von Wunderheilern bis Esoterikern. Das hat der Scharlatanerie Tür und Tor geöffnet ohne, dass es Sanktionsmöglichkeiten gab.

Nun hat das Gesetz Klartext gesprochen. Im Entwurf, der sich in Begutachtung befindet, steht eine Ergänzung zur Ausübung des Arztberufes: „… einschließlich komplementär- und alternativmedizinische Heilverfahren …“.

Alternative und ergänzende Heilmethoden haben Tradition und basieren auf dem Wissen jahrhunderterlanger Erfahrung. Das ist hilfreich. Nicht alles muss evidenzbasierend sein.

Es kann ein Nebeneinander von evidenzbasierter Medizin und introspektiven, empathischen Vorgehen geben.

Die „Legitimierung“ von alternativer Medizin wird dazu führen, dass Kurpfuscherei eingeschränkt wird, dass Patienten ein besseres Sicherheitsgefühl haben werden. Kein Arzt wird aus Jux und Tollerei oder Ablehnung klassischer Diagnostik Alternativmedizin favorisieren. Dazu ist er zu sehr wissenschaftlich geprägt. Und das ist auch gut so.

Medizin hat das Forschungsfeld und Anwendungsgebiet stets ausgeweitet und sich auf Neues eingelassen. Ohne Erkenntnisse aus der Biologie, der Physik und der Epigenetik wäre moderne Medizin nicht mehr vorstellbar.

Anderseits: Mensch ist nicht Maschine, sondern ein komplexes, nicht nur vernunftgesteuertes Wesen.

Sigmund Freud war klassischer Mediziner und hat die Grenzen der Medizin weit aufgerissen. Stets war er mit Vorwürfen der Unwissenschaftlichkeit konfrontiert. Heute ist Psychotherapie ebenso anerkannt, wie die Thesen, dass viele Krankheiten psychosomatisch sind.

Alternativmedizinische Medikamente, die auf natürlichen Wirkstoffe oder Pflanzen basieren, sind akzeptiert, aber sie können niemals Antibiotika ersetzen, wenn es darum geht, akut zu heilen und zu helfen.

Das Gesetz ist ein wichtiger Ansatz, der Kurpfuscherei Einhalt zu gebieten.

Und eine gute Ausweitung der ärztlichen Kompetenz.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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