Mehr privat, weniger Staat im Gesundheitssystem? Nein, danke.

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Die Krankenkassen werden reformiert, die Gebietskrankenkassen werden zusammengelegt. Zumindest in den kommenden fünf Jahren wird weniger und nicht mehr Geld für die Sozialversicherung zur Verfügung stehen. Die Reduktion der Beiträge von Unternehmen an die AUVA und die Kosten für die Fusion müssen beglichen werden. Deshalb fordern wir den Ersatz dieser Mittel durch das Bundesbudget.

Bereits jetzt besteht ein Mehrbedarf an Kassenstellen in einer schnell wachsenden und älter werdenden Bevölkerung. Viele Kassenstellen können nicht besetzt werden, da Rahmenbedingungen nicht akzeptiert werden. Junge Familien zögern in ländliche Gebiete zu ziehen und junge Ärztinnen und Ärzte ziehen die Sicherheit einer Anstellung in einer Krankenanstalt der Niederlassung vor.

Was geschieht wenn die Zahl der Gebietskrankenkassenverträge nicht ausreicht die Bevölkerung zu versorgen? Die es sich leisten können, weichen in den privaten Medizinmarkt aus. Die Folge: Mehr Wahlärzte und mehr Patienten, die sich die Behandlung außerhalb des Sozialversicherungssystems kaufen. Ein attraktiver Markt, noch dazu unabhängig von Konjunktur oder Flauten in der Wirtschaft. Krank werden die Menschen immer wieder und benötigen medizinische Hilfe. Der Gesundheitsmarkt unterscheidet sich hier signifikant von jedem anderen Geschäftsmodell und deshalb so attraktiv für Investoren und Unternehmer. Deshalb drängen Firmen wie die Uniqua, Porr, Stumpf oder Vamed, in diesen lukrativen Markt, möchten Facharztordinationen in Form von Gruppenpraxen oder Ambulatorien aufkaufen und Ärzte dort beschäftigen, um in einem Mußgeschäft mit der Gesundheit Geld zu verdienen. Vermutlich wird man sich auf Therapien konzentrieren, die möglichst viel einbringen und teure Behandlungen den Krankenhäusern überlassen. Außerdem werden Patienten, die sich die Privatmedizin nicht leisten können, nicht mehr rasch und adäquat behandelt werden: chronisch Kranke, Kinder, arme Menschen und viele Pensionisten. Diese Vorstellung ist für die Mehrzahl der Ärzte nicht akzeptabel, und wir möchten Arme und Bedürftige genauso gut behandeln dürfen wie Wohlhabende, denn alle Patienten verdienen die beste Medizin in einem reichen Land wie Österreich.

Wohin so ein System führt, kann man in den USA sehen. Millionen unversicherte oder unterversicherte Menschen stehen ohne adäquate Therapie da. Die Ausgaben für Gesundheit belaufen sich auf 17-18% des Bruttoinlandsproduktes (bei uns derzeit 10,4%).

Es geht nicht um das Einkommen für uns Ärztinnen und Ärzte, das ist in Ländern wie den USA höher als bei uns, es geht um die Patienten und darum dass die Wertschöpfung im Gesundheitssystem bleibt und nicht geschäftstüchtige Unternehmer den Rahm des Gesundheitssystems abschöpfen.

Deshalb sind wir für ein gerechtes Sozialversicherungssystem, das Allen, ob reich oder arm den Zugang zu modernster Medizin sichert.

Dieses System gehört finanziert und nicht ausgehöhlt!

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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