Gesundheit neu begreifen! Wir brauchen ein neues Verständnis des Wohlbefindens

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Im neu gefassten Hippokratischen Eid (Genfer Deklaration) werden zwei zentrale Ausweitungen vorgenommen. Das Wohlbefinden wird der psychischen Gesundheit gleichgestellt. Für den Arzt gelten beide Kriterien. Schon in der WHO-Charta heißt es: Gesundheit ist nicht Abwesenheit von Krankheit.

Die jüngsten Debatten um die Ausweitung des Ärztegesetzes haben etwas Gutes. Sie zwingen uns Gesundheit neu zu denken und vom Krankenkassendenken wegzukommen. Gesundheitspolitik ist nicht Krankheitspolitik, sondern integriert zu gestalten: Prävention, Diagnose und Anamnese, Medikation, Therapie, Rehabilitation und Pflege. Alles hängt miteinander zusammen und alles dient dazu, vom primär gesunden Menschen auszugehen, dessen Gesundheit man bestmöglich erhalten solle.

Eine Neuorientierung und damit neue Budgetierung erscheint dringlicher als kosmetisches, organisatorisches Herumbasteln. Alle Leistungen, die mit Gesundheit sowie Gesundheitserhaltung, und natürlich auch mit Krankheit und Medikation, Intervention und Operation zu tun haben, müssten durch ein einheitliches Gesundheitsbudget erfasst werden. Das inkludiert auch die Alters- und Alternspflege, die Vorsorge sowie die Früherkennung.

Erst damit kann man langfristig auch volkswirtschaftlichen Nutzen schaffen und darüber sollten wir eine breite Debatte führen, gemeinsam mit den Patienten und gesunden Menschen.

Es geht um ein Umdenken, gerade in Zeiten, da Menschen kraft medizinischem und sozialem Fortschritt länger leben, länger mobil sein können und mehr Möglichkeiten haben, auch selbstständig für ein gesundes Leben zu sorgen.

Mündige Menschen und ein System, das nicht von oben herab diktiert. Genügend Personal – immerhin ist der Gesundheitsmarkt auch ökonomisch ein bedeutender Faktor und nicht bloß ein Kostenbestandteil – und mehr vorsorgende und pflegerische Einrichtungen. Das brauchen wir.

Wir müssen vom akuten und interventionistischen Denken wegkommen und damit meine ich uns Ärzte ebenso, wie die Mitarbeiter in Gesundheitsberufen und letztendlich auch die Bürger dieses Landes selbst.

Wer in der Schule schon lernt, wie man sich bestmöglich ernährt, wie wichtig auch körperliche Mobilität ist und wie der Körper funktioniert, wird eher auf sich selbst und seine Gesundheit achten.

Deshalb: Gesundheit neu begreifen. Fangen wir an und starten wir gemeinsam eine große Kommunikationsoffensive. Das ist allemal sinnhafter als teure Schön- und Imageinserate des Selbstlobes der öffentlichen Hand.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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