Krank mit Foto! Die neue E-Card kommt. Und die alten Probleme bleiben!

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Gut, dass die neue E-Card kommt: Mit Foto zur besseren Identifizierung und damit auch mehr Schutz vor Mißbrauch. Vielleicht wird man sie sukzessive mit anderen Funktionen anreichern. Im Zeitalter der Digitalisierung ist das kein Problem:.Was bleibt sind die akuten Probleme im Gesundheitsbereich.

Der Fachkräfte- und Ärztemangel ist himmelschreiend.

Nicht nur bei uns. Auch in den Nachbarländern. Versuchte man bislang Mediziner gewissermaßen abzuwerben, so funktioniert das Prinzip bald nicht mehr. Ökonomisch gesprochen: Der Markt ist leergefegt.

Nachwuchs ist in absehbarer Zeit nicht vorhanden.

Mit organisatorischen und politischen Reformen wird man dem Grundproblem nicht Herr, sondern lenkt nur ab und schafft Nebenschauplätze um Emotionen zu entfachen.

Im Kern tut sich wenig. Bis Ausbildungsoffensiven – zum Beispiel im Pflegebereich – greifen, dauert es Jahre. Bis Medizinstudenten, die heute ihr Studium beginnen, praktizieren können, vergehen weitere zehn Jahre.

Jetzt auch noch auf Wahlärzte hinzuhauen und zu drohen, den Patienten den Kostenanteil nicht mehr zurückzuerstatten, ist kontraproduktiv. Ebenso wie die Krankenkassenzusammenlegung, bei der sich immer stärker herausstellt, dass viele Punkte nicht durchdacht sind. Strukturell sinnvolle Maßnahmen wurden überhastet angekündigt, dann scheibchenweise zurückgenommen, sodass sich jetzt bald niemand mehr auskenn.t

Dass nunmehr darauf verwiesen wird, dass die „reichen“ Kassen von der Reform nicht erfasst wurden, die „armen“, wie die Gebietskrankenkasse aber schon, kommt reichlich spät.

Was jetzt getan werden muss, ist ein Notstandsplan zu erstellen: Wie können wir in den nächsten drei Jahren, zumindest sicherstellen, dass das System nicht erodiert, dass das Niveau der Gesundheitsversorgung nicht absinkt und, dass Patienten zeitgerecht und bestmöglich behandelt werden?

Das klingt bescheiden, ist aber die Kernherausforderung. Alles andere hat Nachrang. Denn es verbessert das Hier und Heute derjenigen Menschen nicht, die davon betroffen sind.

Parallel dazu kann man langfristig durchdachte Maßnahmen in die Schienen setzen und zwar im Verbund mit allen Beteiligten: Ärzte, Sozialpartner, Regierung. Sonst kommen wieder nur Streit und Machtkampf heraus.

Jetzt aber gilt: Alles tun – und, wenn es viel Geld kostet – damit die Versorgung aufrechterhalten wird.

Die nächste Grippe und Infektionswelle ist im Anrollen. Das mag harmlos klingen, aber es reicht aus um das System zu überfordern.

Das ist kein Alarmismus.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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