Nein zur Sterbehilfe. Ja zur Patientenverfügung. Ja zur verstärkten Palliativmedizin.

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Die Debatte um Altenpflege, Recht auf würdiges Sterben, sowie aktive und passive Sterbehilfe bricht immer wieder aufs Neue aus. Ebenso wie die Debatte um die Organverfügung. Wir österreichischen Ärzte haben dazu klare Botschaften.

Nein zur aktiven Sterbehilfe. Es gibt Grenzen der ethischen Verantwortung des Arztes. Es sind sich ja auch die meisten vernünftigen Menschen darüber einig, dass es keine Todesstrafe geben darf.

Das zweite: Ja, zur Organverfügung nach österreichischem Modell. Dieses Modell, das in Spanien, Ungarn und manchen skandinavischen Ländern praktiziert wird, sieht die automatische Zustimmung des Patienten zur postmortalen Organspende. Eine aktive Erlaubnis oder Verfügung muss nicht eingeholt werden. Der Patient kann aber aktiv verfügen, dass seine Organe nicht gespendet werden. Das ist auch mit ein Grund, warum Österreich federführend in der Transplantationschirurgie ist.

Was wir aber brauchen – angesichts einer Altersgesellschaft und das notorischen Pflegemangels, ist die Stärkung der Palliativmedizin. Viele Patienten – das wurde in Studien mehrmals erhoben – argumentieren, sie hätten nicht so sehr Angst vor dem Tod, sondern Angst vor dem Sterben.

Exakt darum geht es in der palliativen Medizin: Menschen würdevoll in ihre letzten Tage zu begleiten, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gut aufgehoben sind und nochmals ihr Leben Revue passieren können, vielleicht auch nochmals die Dinge tun, die sie gerne haben: Eine Spazierfahrt in das heimatliche Dorf, das Lieblingsessen, oder einfach tröstende, aufmunternde Worte.

Wir haben genügend finanzielle Ressourcen – als reicher Staat – um das zu ermöglichen. Aber es fehlt an Humanressourcen. Weil wir seit Jahren Personal sparen und, weil Gesundheitsökonomen ständig von Kopfkosten oder Fallpauschalen reden und dabei auf das menschliche vergessen.

Wenn eine Reform der Pflegeversicherung angedacht ist, sollte man auch eine Stärkung der palliativen Medizin mitbedenken.

Es gibt caritative Organisationen – Caritas und Diakonie – die vorbildhaft arbeiten, teilweise mit freiwillige oder schlechtbezahlten Kräften. Was sie leisten, ist bewundernswert.

Doch es muss systematisiert werden. Das Recht auf würdiges Sterben, ebenso wie das Recht auf würdevolles Altern, wenn man nicht mehr mobil und kognitiv fähig ist.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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