Angst vor Einsamkeit, Krankheit und Demenz. Das sind die Hauptsorgen der Silver Generation.

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Das Vertrauen in die Politik ist gering. Die Angst vor Armut, Unselbstständigkeit, Einsamkeit, Pflegebedürftigkeit und Demenz ist hoch. Österreich liegt damit an der „Spitze“. Zwei Drittel der Österreicher haben Angst vor Einsamkeit im Alter, so ein Kernergebnis der Silver Living Studie (Österreichs größte private Institution für betreutes Wohnen). 14 Prozent sind sogar überzeugt, dass sie einsam leben werden

Die Mehrheit der Erwerbstätigen glaubt, dass es ihnen in der Pension schlechter gehen werde als der jetzigen Generation. Bei den 60 bis 70-Jährigen sind die Ängste konkret beschreibbar: 78 Prozent fürchten sich davor, ein Pflegefall zu werden, 75 Prozent vor ernsthaften Erkrankungen, 62 Prozent vor Demenz und 61 Prozent vor Unselbstständigkeit im Alter.

Das Vertrauen, dass Politik ihre Probleme lösen können oder rechtzeitig für die alten Menschen vorgesorgt hätte, ist gering. Etwas höher ist dafür das Vertrauen in das Gesundheitssystem.

Dennoch: Diese Zahlen müssen alarmieren. Nicht nur die Älteren, auch die noch im Erwerbsleben befindlichen glauben an eine Verschlechterung ihrer Situation.

Hier tut sich ein Problemfeld auf, das jahrelang verdrängt wurde. Ein paar Prozent Pensionserhöhung jedes Jahr, ein eher lockerer Umfang mit der Erhöhung des Pensionsantrittsalters. Das war es.

Investitionen in Pflegeeinrichtungen wurden nicht getätigt. Auch nicht in eine spezifische medizinische Betreuung. Es gibt beispielsweise nach wie vor keinen übergreifenden Demenzplan in Österreich, obwohl wir wissen, dass wir 2050 zumindest mit 300.000 bis 350.000 demenzkranken Menschen leben werden. Bereits 2020 werden mehr als 10 Prozent der Menschen über 80 Jahre alt sein, schon heute gibt es mehr 80-jährige Wahlberechtigte als Jungwähler und Erstwähler.

Die häusliche Pflege wird zu neunzig Prozent von ausländischen, jetzt noch „billigen“ Pflegekräften geleistet, oder von Angehörigen, die teilweise selbst schon der Pflege bedürfen. Die Wohnungen – vor allem im urbanen Raum – sind für ältere Menschen mit Behinderung nicht konzipiert, es gibt zu wenige Tagespflegestätten – und es gibt auch zu wenig adäquat ausgestattete Pflegehäuser.

Es fehlt, wie bei den Medizinern, an Nachwuchs und es fehlt vor allem an adäquater Bezahlung und Wertschätzung des Berufs – davor wird sich die Politik nicht zurückziehen können.

Wenn es schon keinen Aufstand der Jungen gibt, kann es einen Aufstand der Alten geben.

Es nützen keine leeren schönen Floskeln mehr, es muss dringlich gehandelt werden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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