Status quo: Wir trinken, rauchen und essen zu viel. „Health at a Glance“ spricht Österreich schlechtes Zeugnis aus.

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Wir rauchen zu viel, wir essen zu viel und sind zu dick. Wir ernähren uns ungesünder als die meisten anderen EU-Länder und wir konsumieren zu viel Alkohol. 12,3 Liter pro Jahr. Im Vergleich dazu: Die Italiener und Spanier, klassische Weinländer kommen „nur“ auf 8,6 beziehungsweise 7,1 Liter. Notwendig ist: Konsequente Vorsorge und Gesundheitserziehung an den Schulen. Dafür ist aber kein Geld da. Kurzsichtig ist das.

Seit Jahren belegt Österreich die hinteren Rankingplätze, wenn es um gesundes Leben und gesunde Ernährung geht. Das trifft insbesondre auf Jugendlich zu. 28% Prozent der 15- und 16-Jährigen rauchen, mehr als zwei Drittel trinken Alkohol und 9% Prozent sind zu dick. Adipositas wird zur neuen Volkskrankheit. Nicht nur in den USA und in den Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko oder China, sondern auch bei uns.

Offensichtlich waren viele Initiativen nur Schall und Rauch: tägliche Turnstunde in den Schulen, Verbot von zuckerhaltigen Süßgetränken aus den Automaten in den Schulen, Aktion gesundes Essen. Der Konsum von Convenience Artikeln und Snacks steigt weiter an.

In London haben die Verkehrsbetriebe nun beschlossen, Werbung für fett- und zuckerhaltige Produkte und Junk Food zu verbieten. In Wien wird man demnächst bestraft, wenn man in den U-Bahnen isst. In den Niederlanden hat man versucht, Fettsteuer einzuführen – um das Ganze bald wieder abzuschaffen.

Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen sind dramatisch. Laut OECD betragen alleine die arbeitsmarktbezogenen Kosten von steigenden psychischen Erkrankungen jährlich 6,3 Milliarden Euro. Ähnliche Kosten sind durch Arbeitsausfälle kraft falscher Ernährung und Lebensweise – Diabetes, Augenleiden, Gehörschäden, Mobilitätseinschränkungen – zu erwarten  in steigendem Ausmaß.

Wenn man diese Summen jährlich in konsequente Vorsorge, Gesundheitserziehung an den Schulen, Forcierung der Gesundenuntersuchung investieren würde, könnte man sich auf lange Sicht viel ersparen.

Nun ist vorsorgen nicht als konkreter Bundesposten mit konkreten Maßnahmen budgetiert. Das ist bedauerlich und sollte so rasch wie möglich geändert werden. Es wäre Sozialpolitik ,Bildungspolitik und Gesundheitspolitik zugleich. Denn evident ist. Bildungsferne und schlecht verdienende oder langzeiterwerbslose Menschen leben ungesünder, ernähren sich vornehmlich durch Convenience und Junk Food, sind arm und neigen zum krank werden.

Langfristige orientierte Gesundheitspolitik ist vorausdenkende Gesundheitspolitik. Und sollte auch so gesetzlich verankert sein. Sonst haben wir in Zukunft eine junge Generation, die sich nicht mehr bewegt und verfettet. In jeder Beziehung.

Das ist auch für den Wettbewerb im globalisierten Zeitalter nicht gut.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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