Populismus versus Gesundheitspolitik: Plastiksackerl nein, Rauchen ja?

531 total views, 5 views today

Die Regierung will die Plastiksackerl ab 2020 verbieten. Das erscheint vernünftig und wird auch dementsprechend zelebriert. Der mächtige Handel murrt , fügt sich aber. Greenwashing macht sich allemal gut.

Hingegen darf munter weiter geraucht werden. Keine Volksabstimmung, zumindest vorläufig nicht. In Wien besteht Hoffnung auf einen Spruch des Verfassungsgerichtshofes.

Laut OECDs „Health at a Glance“ sind wir immer noch im Raucherparadies, auch bei den Jungen. Mut macht, dass die Raucherquote in den vergangenen Jahren bei Jugendlichen gesunken ist. Rauchen ist nicht mehr in.

Die Zigarettenindustrie hat ihre Strategie bereits umgestellt und ruft öffentlich zum Nichtrauchen auf. Nicht ohne Alternative: Die elektronischen Zigaretten, die reines Nikotin mit Geschmacksverstärkern verwenden – sind in den USA ein Hit. Demnächst werden sie auch bei uns auf den Markt gebracht.

Es ist müßig zu urteilen ob dies weniger schädlich ist als das konventionelle Rauchen. Aber es wird auch hier zur Debatte kommen: verbieten oder gestatten, zumindest im öffentlichen Räumen und in der Gastronomie.

Was die Menschen wollen ,sind klare Verhältnisse. Das gilt für die Gastronomie und Hotellerie ebenso, wie für die Konsumenten.

Knapp 900.000 Unterschriften sollten eigentlich für sich sprechen. Statistiken zu Todesursachen und Sterbefällen ebenfalls. Dass die Steuereinnahmen durch die Tabaksteuer die volkswirtschaftlichen Schäden des Rauchens bei weitem nicht kompensieren, ist durch zahlreiche Studien bewiesen. Vielleicht beginnt die Regierung nach den Jubelfeiern zum 1 Jahres-Jubiläum, im stillen Advent ,nachzu denken. Und entschließt sich zu einer freien Abstimmung im Parlament, ohne Klubzwang und angesichts von objektivierbaren Fakten und die Schädigung durch das rauchen.

Eine Regierung, die in vielen Fällen rigide auftritt – etwa bei der Mindestsicherung oder in der Asylanten- und Flüchtlingsfrage – soll auch Rigidität in der Gesundheitspolitik beweisen und nicht nur in der Umgestaltung der Krankenkassen, von der man nicht weiss, was sie bringen soll.. Rauchen schadet den Betroffenen, den unfreiwilligen Mitrauchern und letztendlich auch der Volkswirtschaft.

Jeder kann für sich entscheiden ob er raucht. Aber rauchen sollte dort verboten sein, wo andere Schaden erleiden. Gäste und Mitarbeiter in der Gastronomie.

Warum also nicht das Rauchverbot zur Abstimmung freigeben?

Es ist ein Appell an Vernunft und Verantwortung.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen