Mehr Ärzte, mehr Geld für das Gesundheitssystem, … mehr Obacht auf die Bedürfnisse der Patienten!

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Österreich ist der drittwohlhabendste Staat innerhalb der EU, bestätigt Eurostat. Der Finanzminister bemüht sich, die steigenden Steuereinnahmen klein zureden .Dennoch : Für das Gesundheitswesen gibt Österreich deutlich weniger als die Schweiz aus und auch weniger als Deutschland.

Gesundheit ist das Thema, das die Österreicher am stärksten berührt. Angst vor Krankheit und Einsamkeit im Alter sind stärker ausgeprägt als in vergleichbaren Ländern.

Die Krux : Wir haben ein gutes System, aber wir haben zu wenige Ärzte, Pflegefachkräfte und ein viel zu geringes Vorsorgebewusstsein.

Was wir rasch brauchen, um die Gesundheitsversorgung mittelfristig zu sichern, sind genügend Ärzte :Krankenkassenärzte, Krankenhausärzte – und vor allem Allgemeinmediziner, welche die Politik gemeinhin gern als wichtigste Gatekeeper im System bezeichnet.

Nur: Politik tut und tat nichts bis wenig, um den Mangel an Allgemeinmedizinern zu bekämpfen. Im Gegenteil: Manchmal hatte man das Gefühl, es liege im Interesse der Politik, die Hausärzte sukzessive abzuschaffen.

Angesichts der schlechten Bezahlung und der administrativen Überbelastung, dem unbefriedigendem Arbeitsumfeld in vielen Krankenhäusern darf es nicht wundern, dass viele Ärzte gleich Wahlärzte werden oder ins Ausland gehen. Damit entsteht eine Asymmetrie, die nicht gesund ist.

Mit Händen und Würgen wurde dieser Tage die Krankenkassenreform gesetzlich beschlossen, wobei es noch viele offene Fragen gibt. Ob sie etwas bringt, wird die Zukunft zeigen. Streit um die AUVA, Auseinandersetzungen um die Reduktion des Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung – alles das hat es zur Genüge gegeben.

Ansonsten ist wenig Positives zu vermelden. Gewiss, Ärzte dürfen nun Ärzte anstellen, ein Beschluss, der längst notwendig war.

Die harten Brocken aber sind nicht gelöst. Und das ist nun einmal der Mangel an Humanressourcen. Medizin und Gesundheitsversorgung lassen sich nicht automatisieren, Heilungsprozesse lassen sich nicht am Reißbrett planen, und das Gespräch des Arztes mit dem Patienten lässt sich durch nichts ersetzen.

In diesen kardinalen Themen ist die Situation schlechter als noch vor einem Jahr. Und sie wird sich weiter verschlimmern: Ruhestandswelle, psychische und physische Überbelastung und damit steigende Burn Out-Raten, Demotivation durch ständige Sparappelle der Regierenden.

Wir müssen aufwachen. Und der Finanzminister muss gemeinsam mit der Sozialministerin das Geldbörsl öffnen. Patienten, die jahrelang in das System eingezahlt haben, haben ein Anrecht auf bestmögliche und rasche Versorgung und medizinische Betreuung und Begleitung.

Es geht nicht an, dass man zwar Milliarden Euro in fernliegende und umstrittene, sogenannte Infrastrukturvorhaben tätigt oder um die Finanzierung neuer Militärflugzeuge ringt, und gleichzeitig so tut, als hätten wir das beste Gesundheitssystem der Welt, das man künftig auch noch verschlanken möchte.

Hier irrt die Politik. Und hier geht sie an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei – quer durch alle Parteien.

Zumindest eine Milliarde Euro – da ist ein Kilometer U-Bahn – ist rasch und sofort notwendig, wollen wir den Crash verhindern: Spitäler, die Abteilungen schließen müssen, Praxen, die mangels Nachfolger zusperren, Wartezeiten, die das Mindestmaß deutlich überschreiten und verzweifelte Patienten, die gezwungen sind, Gesundheitsleistungen, die ihnen zustehen, selbst zu zahlen – wenn sie es sich leisten können.

Das ist unwürdig. Und muss auch deutlich gesagt werden.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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