Mehr Zeit. Mehr Respekt. Mehr Wertschätzung und mehr finanzielle Ressourcen. Wünsche eines Arztes an das Christkind.

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Unser Wunschzettel an das Christkind ist nicht lang, aber eindringlich. Wir wünschen uns, dass auch in den kommenden Jahren jeder Patient bestmöglich behandelt werden kann, ohne Ansehen des Alters, der Bildung, oder sozialen Stellung. Wir wünschen uns kürzere Warezeiten für die Patienten und mehr Zeit für die Ärzte, damit sie sich den Patienten auch intensiv widmen können. Und wir wünschen uns eine Gesundheitspolitik, die nicht ökonomiegetrieben ist, sondern von einem Humanismus und Gerechtigkeitsdenken geprägt ist.

Damit diese Wünsche auch nur annähernd erfüllt werden können, bedarf es eines uneingeschränkten Bekenntnisses zum öffentlichen Gesundheitssystem, zum freien oder möglichst niedrigschwelligen Zugang zur Spitzenmedizin und eines neuen Gesundheitsverständnisses, das Prävention, Medikation, Intervention, Therapie, Rehabilitation und Pflege gesamtheitlich sieht .

Wir wünschen uns mit einem Wort: mehr Ärzte, mehr medizinisches Personal und eine adäquate, leistungsgerechte Bezahlung, ausreichend Zeit zur Regeneration und ausreichend Zeit zur Weiterbildung, und zum Gespräch mit den Patienten.

Wir wünschen uns vor allem eine bessere Vernetzung: der Allgemeinmediziner als Erstansprechstelle des Patienten, als Coach und Begleiter und Erstversorger. Fachärzte in ausreichendem Ausmaß auch in ländlichen Regionen und Mangelfächern, die eng mit dem muralen Sektor vernetzt sind und mehr Pflegebetten, mobile Services für die postoperative Betreuung oder Pflege im Alter.

Wir wünschen uns eine Regierung, die beim Thema Gesundheit nicht vorrangig vom Sparen, Rationieren und Rationalisieren spricht, sondern von Erhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens.

Eine Regierung, die den Menschen die Angst nimmt, nicht mehr ordnungsgemäß versorgt zu werden, im Alter einsam zu sein und ohne Pflegehehilfe. Und wir wünschen uns eine Gesundheitspolitik, die mehr Wertschätzung und Respekt vor Ärzten aufbringt, die schließlich mit Engagement eine zehn-und 15-jährige Ausbildung hinter sich haben, überdurchschnittlich viel und lange arbeiten und große Verantwortung tragen. Und wir wünschen uns, in alle Gespräche zur Gesundheitsversorgung und-Reform eingebunden zu sein. Nicht als Bittsteller oder lästige Opponenten, sondern als Partner auf Augenhöhe.

Und generell wünschen wir uns eine  Regierung, die Sozialpolitik  Bildungspolitik und Gesundheitspolitik verknüpft, denn wir wissen : Armut, Bildungsferne und Erwerbslosigkeit machen krank. Und gerade das sollte ein reiches Land, das sich als Wohlfahrtsstaat versteht, leisten können.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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