Prävention statt Prohibition. Gegen die zunehmende Verbotskultur.

2,010 total views, 5 views today

Gute Gesundheitspolitik hat die Gesundheit und die Gesunderhaltung im Fokus. Und vor allem das Wohlbefinden des Menschen: Physisch, psychisch, in seinem Alltag mit anderen Menschen. Gute Gesundheitspolitik lebt nicht von Prohibition, sondern von Prävention und Empathie.  Krankheit ist kein Lebenszustand, sondern einer Störung gesunder Umstände, Verletzungen sind zumeist vorübergehend. Gesundheit ist nicht Abwesenheit von Krankheit, sondern im worst case der vernünftige Umgang mit ihr, um das Wohlbefinden so hoch wie möglich zu halten. Das ist Aufgabe von Medizin.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der zunehmend Verbote ausgesprochen werden, in der Politik in die Individualität und Privatsphäre des Menschen eingreift. Eine Politik, die möglichst viele persönliche Dinge des Menschen regulieren will und ihm damit Freiheit und Selbstverantwortung nimmt. Verbote von Fett, Zucker in Lebensmitteln, Ampelpflicht, Plastiktaschenverbot, als ob das die Rettung des Klimawandels sei. Regulierung des Sexualverhaltens auf dem Verhandlungsweg, Handyverbot, Helmpflicht, Spielplatzverbote. Es herrscht eine Regulierung des Genusses, Der Staat entscheidet, was man genießen kann.

Ich bin gegen Verbote und für subjektives Wohlbefinden. Ich habe nichts  gegen eine Kalbsbraten  eine üppige Cremetorte, auch nichts gegen eine Cola. Ich halte auch nichts von höheren Steuern auf derartige Lebensmittel. Das stört im Gegenteil mein Wohlbefinden.  Vielmehr wäre es Aufgabe des Staates, aufzuklären, auf Spätfolgen von chronischen Missbräuchen aufmerksam zu machen.

Kein guter Arzt wird seinem Patienten verbieten, fallweise ein Gals Wien zu trinken oder ein Wiener Schnitzel zu essen. Er wird vor laufendem Genuss dieser Kulinaria warnen.

Gesund sind Menschen aus eigener Verantwortung. Wenn sie krank sind, müssen sie auch ihren Beitrag zu Gesundheit leisten. Eine Delegation des Gesundwerdens an die Medizin ist ebenso kontraproduktiv wie ein Kasteien.

Selbst die Religion spricht von Geboten statt Verboten. Politik, die sich vor großen Herausforderungen scheut, flüchtet sich gerne in die Regulierung des Alltags. Und greift in das Leben des Menschen ein. Das aber ist nicht ihre Aufgabe.

Prohibitionskultur führt zu einer Kriminalisierung des Alltags. Das hat uns die Geschichte gelehrt. Mehrmals.

Wenn wir die Gesundheitsversorgung in Zukunft sicheren wollen, müssen wir neu denken. Und vom gesunden Menschen ausgehen, und von Menschen, denen Wohlbefinden auf allen Ebenen wichtig ist. Und nicht von Kranheitsfällen und verletzen Organen oder kranken Gliedmaßen, sondern von Menschen mit Selbstverantwortung für ihr Leben. Von Menschen, deren Gesundheit wir bestmöglich erhalten oder wiederherstellen sollen.

Gute Gesundheitspolitik ist eine Politik, die vom selbstständigen Menschen ausgeht. Und die Kümmernis um Gesundheit jenen überlässt die etwas davon verstehen. Gesundheitspolitik braucht Autonomie der Beteiligten: Der Gesundheitskassen und der Ärzte.

Gutes neues Jahr.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen