Sicherheitscheck bei Medikamenten Prävention oder Entmündigung?

1,861 total views, 10 views today

Mit dem Jahr 2019 kommt der sogenannte Sicherheitscheck für Medikamente – Abgleich der Wechselwirkungen, Kontrolle des Verbrauches, etc. – vorerst als Pilotprojekt in etwa 100 Apotheken. Und zwar ohne E-Card stecken. Wobei sich da rechtliche Fragen auftuen, die nicht geklärt sind-abgesehen vom Handling.

Parallel dazu sieht die Testphase ein neues Medikamentenmanagement vor. Im Computer der Apotheke erklingt ein Warnsignal, wenn ein Patient mehr als sechs Medikamente parallel einnimmt.

Die Apotheker wollen dann ein Beratungsgespräch mit dem jeweiligen Patienten anbieten.  Ein weiterer Plan sieht vor, dass in Zukunft möglicherweise auch Impfungen in Apotheken vorgenommen werden können. Mit der Begründung, man könne so die Durchimpfungsrate, die in Österreich im internationalen Vergleich nur mittelmäßig ist, erhöhen.

Im ersten Moment klingt das vernünftig. Wie man aber mit sensiblen Daten umgehen soll – siehe wachsende Cyberkriminalität – steht noch immer im Raum. Dies gilt auch und vor allem für ELGA, der den Medikamentencheck im Hintergrund stützen soll. Wie Elga ohne e-card funktionieren kann, erscheint allerdings fraglich. Und ist womöglich gesetzwidrig.

Und ganz nebenbei stellt sich die Frage: Werden hier wieder – schleichend – Kompetenzen der Ärzte aufgeweicht und verlagert? Es liegt im Interesse jedes medikamentenverschreibenden Arztes, auf Neben- und Wechselwirkungen zu achten, zudem hat der Arzt die Möglichkeit, auf Aut idem zu verweisen, als Unterstützung für den Apotheker.

Die Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern hat sich in den vergangenen Jahren normalisiert und deutlich verbessert.

Jetzt wäre es an der Zeit, gemeinsam vorzugehen, Interessen abzugleichen und die Regierung aufzufordern klare Richtlinien auszuarbeiten.

Es liegt im Interesse beider Kammern, die Patienten – zu allen Zeiten und möglichst flächendeckend – bestmöglich zu versorgen. Das betrifft auch die Zurverfügungstellung von Medikamenten und Kontrolle über möglichen Abusus.

Dazu aber braucht es – neben vertrauen – auch kompatible Datensysteme mit hoher Sicherheitskomponente. In letzter Zeit häufen sich beängstigend Hacker-Angriffe . Es stimmt bedenklich, mit welcher Nonchalance staatsnahe Unternehmen, wie die Post, Kundendaten  und persönliche sowie politische Einstellungen, die algorithmisch hochgerechnet werden, verkaufen – ohne, dass man Kontrolle hat was weiter mit den Daten geschieht. Was ist wenn sie an private Versicherungen gehen ?

Also: E-Medikation ja. Unbedingt aber Kompetenzfeststellung und vor allem klare politische Vorgaben und Richtlinien, möglichst im Konsens mit den Kammern ausgearbeitet.

Dann kann Vernünftiges entstehen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen