Wenn Sparen lebensgefährlich wird … Klares Nein zu geplanten Änderungen der Ruhezeiten für Ärzte

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Die Regierung hat angekündigt, Änderungen beim Krankenanstalten-Arbeitsgesetz vorzunehmen zu wollen. Nun wird erstmals konkretisiert, was geschehen soll:

Verkürzung der Ruhezeiten nach Bereitschaftsdiensten auf 5 statt bisher 11 Stunden, wenn beispielsweise ein Arzt zu einer Operation oder anderem Einsatz ins Spital gerufen wird.

Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 55 Stunden – begrenzt auf 6 Monate – wenn es „personalorganisatorische Engpässe“ gibt. De facto sind derartige Engpässe Dauerzustand.

Die Regierung hat offensichtlich diesen Entwurf an die Bundesländer und die Interessensvertretungen geschickt. Die Frist für Stellungnahmen ist – wie in letzter Zeit üblich – kurz: 31. Jänner 2019.

Falls das umgesetzt wird, werden die Ärzte protestieren. Die verkürzten Ruhezeiten gefährden nicht nur Konzentration und Gesundheit der Ärzte, sondern auch das Wohlbefinden der Patienten. Und das kann lebensbedrohend sein.

Schon jetzt ist der Anteil von Burnouts bei Ärzten deutlich höher als in anderen Berufen. Aufgrund von Personalmangel sind die Krankenhausärzte unter massivem Druck. Und dieser Druck wird steigen: 55 Stunden verordnete Wochenarbeitszeit bei „Engpässen“. Dazu muss gesagt werden: Es gibt in ganz Wien kein öffentliches Krankenhaus, wo es keine personelle Engpässe gibt. De facto heißt das: 55 Stunden-Woche, obwohl erst vor 2 Jahren ein neues Arbeitszeitgesetz eingeführt wurde, das eine Reduktion nach sich zog und im Jahr 2021 nochmals eine Reduktion der Arbeitszeit vorsieht. Österreich vollzieht damit – ohnehin mit Verspätung – EU-Vorschriften.

Der wahre Hintergrund: Man will den akuten Ärztemangel durch verordnete Mehrarbeit kaschieren. Übrigens betrifft diese Änderung nicht nur Ärzte, sondern auch das medizinische Pflegepersonal, das jetzt schon an der Grenze der Belastbarkeit arbeitet.

Sieht die Regierung nicht ein, dass man – statt Formalreformen wie die Zusammenlegung der Krankenkassen und das Einsparen von Funktionären in der Sozialversicherung – vor allem eines tun muss: Personal aufstocken, und zwar deutlich, bessere Arbeitsbedingungen schaffen und dafür sorgen, dass es für junge Mediziner und Ärzte wieder attraktiv wird, in Österreich zu arbeiten.

Alles andere ist zweitrangig. Denn es geht um das Recht der Menschen, als Patienten bestmöglich behandelt zu werden, und zwar nach spitzenmedizinischen Maßstäben. Und es geht um das Recht der Ärzte, ausgeruht zum Dienst zu erscheinen. Schließlich tragen sie die Verantwortung für das Wohl ihrer Patienten. Eine Verantwortung, die ihnen niemand abnimmt. Unter Druck steigt die Fehleranfälligkeit, Stress führt zu Burnout. Patienten werden verunsichert.

Das kann und darf es nicht geben. Die Ärzte haben schon einmal geschlossen und mit Unterstützung der Patienten protestiert, als es auch um das KA-AZG ging.

Wir sind in Sorge um die eigene Gesundheit und vor allem die Gesundheit der uns anvertrauten Menschen.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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