Zuhören. Heilen. Ärzte brauchen wir! Der internationale Tag der Kranken.

1,415 total views, 20 views today

Weltweit wird der internationale Tag der Kranken begangen. Ein unnötiger Tag, möchte man   zunächst meinen. Aber ein Signal: Um das Gesundheitssystem zu reformieren und neu aufzustellen, müsste man auch den zu sehr  technisch besetzten Begriff Krankheit neu definieren. Gesundheit ist nicht Abwesenheit von Krankheit und eine Verletzung ist keine Krankheit. Es geht um das Wohlbefinden – in unterschiedlichen ,teilweise schwierigen Situationen.

Wenn wir über Gesundheit reden, reden wir über Krankenkassen statt über Gesundenkassen. Und immer stärker setzt sich die Angewohnheit vieler Menschen durch, sich durch ihre Krankheit und nicht ihr gesundes Sein zu definieren.

Wir sollten vom generell gesunden Menschen ausgehen, der vorübergehend erkranken kann, der sich verletzten kann, der mit Einschränkungen umgehen muss. Und nicht vom kranken Menschen, der zum permanenten Kranksein verurteilt scheint.

Selbst frühere letale Krankheiten wie Krebs können heute zum Teil schon in „chronische Krankheiten“ therapiert werden, Menschen können damit um Jahre länger leben.

Ein Mensch mit einer transplantierten Lunge oder einem neuen  Herz ist kein kranker Mensch. Er muss lediglich auf bestimmte Vorsichtsmaßnahmen achten“

Wenn es uns gelingt, dieses Grundverständnis breit zu kommunizieren, können wir auch das Gesundheitssystem integrativ reformieren: Ausgehen vom gesunden Menschen und von der WHO-Charta, die Gesundheit nicht als Abwesenheit von Krankheit, sondern als Wohlbefinden definiert. . Asklepios, der griechische Gott der Heilkunst, sagt es klar: „Als erstes heile mit dem Wort, dann mit der Arznei, zuletzt mit dem Messer.

Wenn wir diese Sicht ins breitere Verständnis bringen, dann kann man auch die methodischen Seiten der Medizin wieder in den Vordergrund stellen: das Zuhören, das Eingehen auf den Menschen zuerst, um Asklepios zu paraphrasieren.

Das heißt nicht Maschinenstürmertum oder Fortschrittsverweigerung: Sondern es bedeutet die Integration von beidem. Klassische Medizin wird sich ebenso rasant weiterentwickeln wie bislang – wenn wir weiterhin Grundlagenforschung fördern – und die humane  sowie humanistische Komponente müssen wir – als Ärzte und Gesellschaft – in den Fokus zurückrücken.

Dann hat der Tag der Kranken auch Sinn.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

Kommentar verfassen