Gesünder leben? Länger mobil bleiben? Über einige Mythen der „gesunden Lebenserwartung“

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Geht es nach der EU-Statistik, so haben Österreicher eine unterdurchschnittlich lange gesunde Lebenserwartung. Nicht nur das: Österreicher fühlen sich auch weniger gesund, als Bewohener anderer Länder, sagt ein Health-Satsistik. Geht man der Sache auf die Spur, so handelt es sich nicht um objektive Daten, sondern subjektive Einschätzungen der jeweiligen Befragten. Sind wir Krankjammerer? Oder leben wir tatsächlich ungesünder als andere EU-Länder.

Österreicher weisen – bei annährend gleichen Werten bei Frauen und Männern – eine gesunde Lebenserwartung von 57 Jahren auf, das sind Jahre ohne Einschränkungen der physischen und psychischen sowie geistigen Mobilität. In Schweden sind es 73 Jahre, in Italien 67 – selbst in Tschechien 63 Jahre, wobei Frauen deutlich gesünder sind. Im EU-Schnitt sind es knapp 64 Jahre.

Umgekehrt schaut die Sache aus, wenn man Menschen und das Vertrauen in die medizinische Versorgung befragt. Hier liegt Österreich deutlich voran. Zwischen beiden Aussagen gibt es Zusammenhänge. Je geringer die Anzahl der Arztbesuche ist, umso gesünder fühlen sich Menschen, angeblich. Denn in den meisten Fällen liegt es an der generellen Versorgung. In Ländern mit dünnen und teuren Gesundheitsversorgungsinfrastrukturen gibt es weniger Arztbesuche. Und daraus resultierend eine offensichtlich höhere Toleranz i der subjektiven Einschätzung der Gesundheit

Anderseits gibt es Fakten. Österreicher rauchen – auch Jugendliche – intensiver als es in anderen Staaten der Fall ist, wir trinken mehr Alkohol und essen weniger Gemüse und Obst. Zudem gehen wir früher in Pension als die meisten anderen EU-Staatsangehörigen. Und – bis vor kurzen – zu einem Großteil aus Krankschreibungen oder Berufsunfähigkeitsgutachten.

Aber: Österreich liegt an der Spitze in der Früherkennung und in der Behandlung von Alterskrankheiten oder Beeinträchtigungen. Wir sind vorbildlich in der Krebsbehandlung – im Vergleich zu anderen Ländern – in Österreich wird auch, wie in Deutschland – öfter operiert: künstliche Knie, Hüften und Schultern.

Das alles sind Fakten, die man angesichts der vorliegenden und teilweise falsch interpretierten EU-Statistik bedenken sollte.

Deshalb: kein falscher Alarmismus. Stattdessen mehr Ursachenforschung und eine Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung. Mehr Erstversorgung, mehr begleitende Therapie, bessere Rehabilitationseinrichtungen, besser postoperative Betreuung.

Aufklärung tut not. Sonst laufen wir Gefahr, ein Volk der Krankjammer genannt zu werden und das stimmt nicht.

Was stimmt, ist dass wir am besten Weg sind, ein bislang funktionierendes Versorgungssysstem krank zu machen und damit Fakten zu negieren.

Und was weiter stimmt, ist, dass wir zu wenig in Prävention und begleitende Gesundenuntersuchungen investieren. Der beste Schutz gegen Krankheit oder Einschränkungen der Gesundheit, ist Prävention. Und fundierte Begleitung durch Lebenserfahrene Allgemeinmediziner.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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