Niemals ohne Smartphone ? Gesundheitsrisiko, Stress, Lernbehinderung…

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Babys  und Kids, die gewissermaßen mit dem Smartphone aufgezogen werden, leiden stärker an Aufmerksamkeitsschwächen, lernen langsamer und können sich nicht gut konzentrieren. So eine Untersuchung an Tiroler Schulen, die Alarmierendes zeigt: 8 bis 12 Stunden täglich verbringen Kids vor dem Smartphone. Die WHO hat vor kurzem erst vor Hörschäden bei Kindern und Jugendlichen gewarnt, Pädagogen sehen deutlich eingeschränkte Fähigkeiten  zum Spracherwerb.

Inzwischen gilt digitale Abhängigkeit als Sucht und Krankheit und kann therapiert werden. Zum Beispiel in Wien Kalksburg. In der Praxis sollte man es soweit nicht kommen lassen. Die Ärztekammer hat vor Jahren schon vor negativen Auswirklungen der Handys gewarnt – mittlerweile sind die Gefahrenquellen pointiert. Nicht mehr um schädliche Strahlen geht es, sondern um eine ganze Palette an physischen und psychischen Gefährdungen.

Prävention ist auch hier geboten. In Frankreich zum Beispiel wurde kürzlich striktes Handyverbot an Schulen eingeführt, eine durchaus umstrittene Maßnahme. Manche österreichische Schulen machen das freiwillig so.

Wir sehen die Auswirkungen in der Generation Z: Immer mehr adipöse Kinder, zunehmend Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizite. In Deutschland erreicht der Ritalin-Absatz jährlich neue Rekorde. Ein Großteil der „Abnehmer“ sind Kids und Jugendliche, respektive deren Eltern, die zum Teil hilflos sind.

Wir sind keinesfalls gegen Handys. Sie sind aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken Laut einer Bitcom Untersuchung aus Deutschland können sich 68 Prozent der Kinder ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Sie würden sich in der Realität ohne Handy auch nicht mehr zurechtfinden. Smartphones können dabei durchaus sinnhaft im Unterricht eingesetzt werden – als Wissens- und Aufklärungsmaschine, als Illustratoren bei kniffligen Fragen.

Es geht wie immer um den vernünftigen, kompetenten Umgang – um Medienkompetenz.

Ebenso wie es bei Gesundheitsfragen um Wissen um den eigenen Körper, um die vernünftige Ernährung geht – deshalb fordern wir ja Ernährungs-, Mobilität- und Gesundheitsunterricht an den Schulen. Flächendeckend, ab der Volksschule.

Beim Smartphone ist es nicht anders. Gesundheitspolitik ist Bildungspolitik und damit umfassende Sozialpolitik.

Wir alle sind aufgerufen, mehr Mündigkeit anzustreben. Bei den Patienten, bei den Jugendlichen. Schließlich ist jeder für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Abschieben an Institutionen hilft da nichts.
Gesundheit neu denken. Darum geht es.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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