Ein Gespenst geht um… Es heißt Myopie bei Jugendlichen

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80% der chinesischen Schüler und Studenten sind Brillenträger. Im Jahr 2000 war es nur ein Fünftel. Die deutsche Ophthalmologische Gesellschaft vermeldet in diesem Jahr, dass rund 50% der  jungen  Erwachsenen kurzsichtig seien.

Die Ursache liegt im wahrsten Sinne in der Hand und heißt Smartphone. Durchschnittlich sind in Österreich Schüler 8 bis 9 Stunden (an den Wochenenden sogar 12 Stunden) online unterwegs – zum Großteil per Smartphone und in sozialen Medien.

Oder sie nutzen Apps für das Lernen im  Unterricht, bingen Serien am Smartphone oder bestenfalls am Tablet-Screen.

Immer stärker sind, so die deutsche Analyse, unter 15jährige betroffen, bei denen die Augäpfel noch wachsen und sich durch Dauerfixierung auf den Screen verlängern.

Die deutsche Zeitung die Welt nennt die Generation, die nach der Generation Z kommt, Generation B – wie Brillenträger.

Die Generation B – die Generation der Kurzsichtigen – scheint auch in der Politik zu dominieren. Man denkt und handelt maximal in Regierungsperioden oder gar nur in Umfragezahlen. So sieht Gesundheitspolitik bisweilen aus .

In China zieht man – autoritär – bereits die Notbremse. Der Einsatz von Tablets in den Schulen soll auf maximal 30% begrenzt werden. Zudem ist es verboten, Geräte ins Klassenzimmer mitzubringen. Papier und Bleistift sollen wieder verstärkt als Tools eingeführt werden.

In Österreich ist man da noch um Jahrzehnte hinten. Im Gegensatz zu den Chinesen wird das Tablett für alle in den Klassenzimmern gefordert. Mit einem fatalen Denkirrtum. Wenn Bildungspolitiker heute sagen, die Gratistablets wären das neue Gratisschulbuch, begehen sie einen Fehler. Ein Buch trägt Inhalte, ein Tablet gar nichts. Es muss erst mit Inhalten und  Anwendungen gefüllt werden.

Statt Lernsoftware zu fördern, fördert man Hardware.

Ähnlich agiert bisweilen auch die Gesundheitspolitik. Lieber intervenieren, wenn es zu spät ist, als vorzusorgen und rechtzeitig aufzuklären und  in die Erstversorgung – sprich in Hausärzte und Gruppenpraxen – zu investieren.

Natürlich: ohne digitale Technologie geht heute nichts mehr.

Aber es gilt: Die Auswirkungen des  Smartphoneabusus auf die Gesundheit  zu kommunizieren. Kurzsichtigkeit, frühzeitige Netzhautablösung, Haltungsschäden ,  sinkende Mobilität und Koordinationsfähigkeit der Arme und Beine, Aufmerksamkeitsdefizite, Hörschäden.

Seit Jahren werden die täglichen Turnstunden und mehr Bewegung im Freien gefordert. Eingelöst wurde das Versprechen bis heute nicht flächendeckend. Im Gegenteil: Sportplätze bei Schulgebäuden werden geschlossen, weil das Geld zur Pflege fehlt – oder weil es stets neue absurde Sicherheitsvorschriften gibt, die nicht erfüllbar sind.

Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zahl der chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen drastisch zunehmen werden. Wenn wir nicht rechtzeitig vorsorgend etwas unternehmen, werden die Kosten für das Gesundheitssystem in den nächsten Jahrzehnten explodieren.

Weitsicht ist stets besser als Kurzsichtigkeit.

Das gilt auch für das politische Handeln.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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