Zurück zur Vernunft ! Schluss mit Hickhack in der Gesundheitspolitik !

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Das vordringliche Problem in der Gesundheitsversorgung ist der Ressourcenmangel. Zu wenig Ärzte, zu wenig Pflegekräfte und das bei dynamisch steigenden Patientenzahlen und Behandlungen.  Und Pflegeleistungen. Alles andere ergibt sich, wenn diese Mängel beseitigt sind.

Zum Beispiel: Impfen und Impfpflicht. Wir Ärzte fordern einen Impfausweis bei Aufnahme im Kindergarten. Alle wissen, dass gerade bei Kindern die Ansteckungsgefahr besonders hoch sind. In den vergangenen Wochen mussten zahlreiche Kindergärten und Horte geschlossen werden, weil es pandemische Infektionen gab.

Oder: Arbeitszeitregelung. Man kann dem Ärztemangel nicht dadurch begegnen, dass man die Ruhezeit nach Bereitschaftsdiensten auf 5 Stunden reduziert. Das ist eine Gefahr für Ärzte und Patienten.

Oder: PHC. Die Realisierung meilenweit hinterm Plan. Wichtiger wäre es, die Allgemeinmediziner besser zu honorieren und die Rahmenbedingungen zu verbessern. Ein witziges Beispiel: Seit Jahren bemühen wir uns, ein spezielles Parkpickerl für Hausärzte zu bekommen. Die Antwort: NJET. Es wäre so einfach. Ärzte würden vor der Arztpraxis parken können und hätten ihr Fahrzeug für Hausbesuche zur Verfügung.. Das reduziert Kosten und Zeit – noch dazu, bei einer lächerlichen Gebühr.

Oder: Wahlärzte und Rückerstattung der Behandlungskosten durch die Krankenversicherung. Wahlärzte leisten – gerade angesichts des Ärztemangels – einen wesentlichen Anteil an der Gesundheitsversorgung. Man muss sie nicht auch noch diskriminieren.

Oder: Schulärzte. Es gibt viel zu wenige, es gibt zu wenig Präventionsuntersuchungen in den Schulen. Weil es zu wenig Geld gibt. Das ist Blindheit, denn gute schulärztliche Untersuchungen würden frühzeitige, chronische Gefährdungen erkennen lassen. Zum Beispiel Augenschäden, Hörschäden oder Adipositas.

Oder: Nachwuchsschulung. Turnusärzte klagen sich seit Jahren darüber, dass es keine wirkliche Ausbildung gibt. Grund. Zeitmangel. Viele fühlen sich allein gelassen.

Das alles sind scheinbar ganz banale Probleme. Aber gerade die könnte man lösen.

Damit wäre allen geholfen.

Es bringt nichts, alle Ressourcen eine  organisatorische Zusammenlegung der Krankenkassen zu investieren, oder von oben herab Entscheidungen zu fällen.

Mehr Autonomie für Ärzte. Vor allem in den öffentlichen Spitälern, wo immer noch hierarchisches Denken aus den frühen 20er Jahren herrscht. Ärzteteams können sich alleine besser organisieren und den Bedarf einschätzen.

Werden wir endlich pragmatisch. Ohne die großen Ziele aus den Augen zu verlieren. Jetzt geht es darum, den Kollaps eines Systems zu verhindern.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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