Gefräßig und fett durch digitale Werbung? WHO warnt vor einer kranken, immobilen jungen Generation.

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Noch nie waren Kids und Jugendliche derart massiv der Werbelawinen ausgesetzt: War es vor wenigen Jahren vor allem das Fernsehen, so sind es nunmehr Smartphone, Streaming-Dienste, Messenger und noch dazu Spots, die zielpersonengerecht an die aktuellen Bedürfnisse der User gerichtet sind. Man kann Werbung nicht mehr entkommen.

Drei Viertel der 13- bis 17-jährigen Briten, so die WHO, folgen in Sozialen Medien ausschließlich jenen Marken, die sie mögen, 57 Prozent tätigen In-App-Käufe oder spielen bei werbefinanzierten Onlinespielen.

Nicht ansteckende Krankheiten – Fettleibigkeit, Diabetes, Muskel- oder Gelenksschäden schon bei Jugendlichen – machen laut WHO 86 Prozent der Todesursachen in der Europa-Region aus.

Die Zahl der adipösen Kinder – die Generation Burger, Snack und Cola – steigt beängstigend an: In Wien sind es knapp 10 Prozent, in Schwellenländern wie Brasilien oder Mexiko nahezu 20 Prozent, in China ist jeder vierte Jugendliche gefährlich übergewichtig. Die Zahl der Brillenträger hat sich vervierfacht.

Die WHO fordert nun die großen Webgiganten auf, ihre User-Daten, speziell von Kids, freizugeben, damit man analysieren kann, welche Kids aus welchen sozialen Schichten und auf welchen Devices Werbung verfolgen.

Die WHO fordert nicht Werbeverbote – das hat nicht viel gebracht – sondern Aufklärung, Maßnahmen seitens des Lebensmittelhandels und der Gesundheitsbehörden. Nach Jahren könnte die Generation der heute 10- bis 15-Jährigen die erste sein, die eine sinkende Lebenserwartung hat und bereits frühzeitig erwerbsbeeinträchtigt ist. Und das bei enormen Kosten für die Gesundheitsversorgung.

In New York wurden Cola-Automaten aus dem Bild der Öffentlichkeit verbannt, in Österreich versucht man, zumindest an den Schulen die Getränkeautomaten mit Süßgetränken zu verbieten – auch das gelingt  nicht flächendeckend. Nicht einmal in Krankenhäusern.

Solange Kids in verstärktem Ausmaß Zuhause kein Frühstück, sondern ein paar Euro bekommen, um beim Supermarkt vor der Schule rasch einen Snack und ein Red Bull oder Cola zu trinken, wird sich auch wenig ändern.

Man solle die Warnungen der WHO ernst nehmen und insbesondere bei Sozialen Medien ansetzen: Ähnlich wie sie diskriminierende Messages ausfiltern, sollten sie Werbung für gesundheitsschädliche Snacks und andere Lebensmittel und Getränke ausfiltern. Hier sind die Behörden gefragt, so die WHO.

Wieder einmal wird aufgezeigt – und durch Zahlen untermauert – wie notwendig ziel- und zeitgerechte Präventionen wären. Viele Eltern sind dazu nicht mehr in der Lage und haben nicht das Wissen ihre Kinder gesund zu erziehen und vom exorbitanten Konsum von Social Media abzuhalten.

Also muss die öffentliche Hand eingreifen. Zum Schutze aller.

 

 

ao

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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