So entgehen wir der Demoskopie Keule nicht! Mehr Humanressourcen: Mehr Ärzte und Pflegekräfte als absolute Notwendigkeit.Und vordringliches Problem.

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Man kann es drehen und wenden wie man will: Wir brauchen mehr Kassen- und Krankenhausärzte, vor allem in den stark wachsenden Regionen, in den Städten und deren Agglomeraten und vor allem in Wien. Österreich nähert sich der 9 Millionen-Einwohnerschwelle, das Bevölkerungswachstum wird ebenso anhalten, wie die Steigerung der Lebenserwartung – zumindest in den kommenden 20 Jahren. Die Anzahl der nicht mehr Erwerbstätigen steigt – und die Zahl den ambulanten oder stationären Krankenhausaufenthalte ebenfalls.

Natürlich muss es Umschichtungen geben: Mehr flächendeckende Erstversorgung, längere Öffnungszeiten der Ordinationen, bessere Verzahnung von muralem und extramuralem Bereich, mehr Ressourcen für postoperative Betreuung und Rehabilitation und eine bessere Koordination zwischen Pflege und ärztlicher Betreuung.

Das alles ist logisch, notwendig und erfordert vor allem eines: mehr Geld und mehr Ressourcen. Das Traurige: Die Ressourcen sind nicht über Nacht herbeizuzaubern, selbst wenn man genügend Geld zur Verfügung stellen könnte.

Vielleicht würde der eine oder andere Wahlarzt wieder ins „System“ switchen, wenn Arbeitsbedingungen und Bezahlung besser wären, vielleicht würden ein paar hundert Jungmediziner nicht ins Ausland abwandern, sondern hierbleiben und vielleicht würden mehr Studierende Allgemeinmedizin wählen, als eine Facharztausbildung zu absolvieren.

Neben besseren finanziellen Mittlen muss es vor allem mehr Aufklärung und Image-Arbeit geben: zum Beispiel für den Hausarzt, für die Krankenpflege. Und es musss mehr Geld in die Infrastruktur der Spitäler investiert werden.

Wien hat zwar – mit Jahren Verspätung – gerade das Krankenhaus Nord eröffnet, in vielen anderen Spitälern aber herrschen bauliche Zustände, die einer Beschreibung spotten.

Merke: keine Organisationsreform – ob Zusammenlegung der Krankenkassen, Zusammenlegung von Spitälern – kann das leisten, was jetzt und hier notwendig ist: flächendeckende, barrierefreie Versorgung der Menschen auf bestmöglichem Niveau.

Dazu braucht es Menschen: Menschen mit Engagement, Motivation und bester Ausbildung. Daran mangelt es und das müssen wir beheben. Über alles andere können wir reden und es mittelfristig planen.

Gesundheit selbst ist nicht planbar, ebenso nicht Krankheit und auch nicht individuelle Heilungsverläufe. Krankenhäuser sind weder Handelshäuser noch Fabriken und Operationssäle keine Fließbandhallen.

Das sollte jedem mit Hausverstand klar sein.

Also: Investieren statt am falschen Platz sparen. Motivieren statt bashen.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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