Ärzte auf der Straße: Bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen! Ärztemangel und überfüllte Krankenhäuser in Deutschland.

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12.000 Mediziner demonstrierten in Deutschland für faire Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen- vor allem in kommunalen Krankenhäusern und an universitären Kliniken. Das Begehren: 5 Prozent höhere Tarifgehälter, bis zu 30 Prozent reale Gehaltserhöhungen an bestimmten kommunalen Kliniken, und „Schluss mit den unerträglichen und ungesetzlichen Arbeitszeiten.“ Die Bevölkerung steht hinter den Ärzten des Marburger Bundes, der Ärztinnen und Ärzte an Uni Kliniken und Krankenhausärzte vertritt.

Die Situation ist nicht viel anders als in Österreich, wobei hierzulande teilweise geringere Gehälter bezahlt werden. Die deutschen Ärzte wollen eine planbare Regelung der Bereitschaftsdienste und zumindest zwei freie Wochenenden pro Monat: „Und zwar richtige Wochenenden, die am Freitagabend beginnen und am Sonntagabend enden“, wie es ein Vertreter formulierte.

Zudem sollte es einheitliche Arbeitszeiterfassungsysteme geben, hier werde  immer noch viel Schindluder getrieben.

Die Klinikärzte, die auch in der Forschung und Lehre tätig sind, fordern darüber hinaus „Anerkennung von Forschung und Lehre als Teil der Arbeitszeit.“

Auch das erinnert an österreichische Verhältnisse: Forschung an der Meduni Wien und an den anderen Universitäten in Österreich findet zum Großteil ausnahmslos in der Freizeit statt, zudem belasten die prekären Arbeitsverträge.

Der Marburger Bund hat schon vor Jahren erfolgreich um höhere Gehälter Streikaktionen durchgezogen. Auch jetzt ist man entschlossen. Die Arbeistsituation wird immer angespannter: zu wenige Ärzte, steigende Anzahl von Patienten, zu geringe Ruhezeiten, zu viele Nachdienste und „Bereitschaftsdienste“, während derer vielfach „absichtlich Operationen angesetzt werden oder sonstige schwierige Interventionen. Das sie ein Missbrauch des Bereitschaftsdienstes und ein Etikettenschwindel“ heisst es.

Interessant erscheint in diesem Zusammenhang, dass dennoch eine Vielzahl von österreichischen Jungmedizinern lieber in Deutschland arbeitet als hierzulande. Offensichtlich ist die Situation bei uns teilweise noch schlechter, oder es wird zu wenig Kommunikations -und Wertschätzungsarbeit seitens der Politik und der  Krankenhausbetreiber betrieben.

Fakt est : Überall in Europa ist das Gesundheitssystem in einer Krise. Nicht so sehr aus tatsächlichem Geldmangel sondern vor allem wegen zu geringer Personal- Ressourcen und fehlender Bereitschaft, aktiv in den Gesundheitsmarkt zu investieren.

Dabei gibt es in Deutschland deutlich mehr private Klinikketten – mit universitären Angeboten- als in Österreich. Diese Ketten  sind ausschließlich profitorientiert  und fahren ein knappes Kostenmanagement: zu Lasten der Ärzte und medizinischen Mitarbeiter sowie der Pflegekräfte und vor allem zum Nachteil der Patienten.

Deutschland sollte unserer Politik eine Warnung sein.

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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