Nur die Reichen werden alt. Arme sterben früher. Lebenserwartung – Kluft zwischen reich und arm wächst.

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Die Lebenserwartung wird auch in den kommenden Jahren weiter steigen – zumindest bis 2050. Die Entwicklung ist aber nicht einheitlich, wie das deutsche Max-Planck-Institut erhoben hat. Vor allem die Reichen, Wohlhabenden und Gebildeten werden alt. Arme sind bedeutend häufiger krank  oder depressiv und haben ein deutlich kürzeres Leben. Das gilt für Frauen wie für Männer. Ein alarmierendes Zeichen für eine sozial-gerechte Gesellschaft.

Bei Mindestrentnern – vornehmlich aus den Westen – in Deutschland steigt die Lebenserwartung ab 65 Jahren seit Jahren nicht mehr an, gleichzeitig aber die Zahl der Mindestrentner. Waren 2005 noch 20% der Rentner in der niedrigsten Einkommensstufe, so sind es 2016 bereits 36 Prozent, 2o18 dürften es bereits 39 Prozent sein, so die Prognosen De facto hat sich die Zahl der Armen in nur 10 Jahren fast verdoppelt.

Die Forscher des Max-Planck-Institut interpretieren: wer wenig verdient, wohnt zum Großteil in sozialen und klimatisch ungünstigen Bedingungen, ist stärker dem Verkehr und dem Feinstaub ausgesetzt, ernährt sich schlechter.

Zudem zeigt sich, dass die Zahl der Raucher bei Menschen mit niedrigem Einkommen am höchsten ist und rauchen ist die Hauptsache für tödlichen Lungenkrebs.

Ärmere Menschen erkranken häufiger und gehen – auch aus sprachlichen Gründen und irrationalen Ängsten – weniger oft zum Arzt. Vor allem betreiben sie deutlich weniger Vorsorge.

Die Zahlen des Max-Planck-Institutes werden durch eine – schon etwas ältere – Untersuchung aus Wien bestätigt. Der Bezirk mit der geringsten Lebenserwartung ist Ottakring. Dort lebt eine beachtliche Bevölkerungsschicht mit migrantischen Hintergrund, die schlecht ausgebildet ist und vor allem körperlich anstrengende Arbeit ausführt: am Bau, in anderen exponierten Positionen oder als Reinigungskräfte.

Unsere Gesellschaft sollte aber – und das sieht auch der Generationenvertrag vor – sich vor allem um jene kümmern, die arm, ungebildet und zum Teil in prekären Umständen leben. Sie haben von der Umverteilung am wenigsten.

Wenn wir nicht wollen, dass alt werden eine Frage des Geldes, des Wohlstandes, der Bildung ,Arbeitsqualität und des geistigen Bewusstseins wird, sollten wir handeln.

Das wichtigste ist der barrierefreie Zugang zur Gesundheitsversorgung, ebenso wie die Teilnahme an Präventionsmaßnahmen und Teilhabe an der Kommunikationsgesellschaft. Sonst entsteht ein Heer von Ausgegrenzten, die noch dazu geringe Lebenserwartung haben

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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