Ein Plädoyer für die Autonomie des Arztes! Und die Freiheit der medizinischen Forschung!

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Forscher sind keine Auftragserlediger, die nach Effizienz zu messen sind und deren Arbeit nach möglichst profitabler Verwertbarkeit beurteilt wird, sondern entdeckungs– und erkenntnisgetriebene Wissenschafter.  Ärzte sind keine Dienstleister von Krankenhausbetreibern oder Privatklinikeigentümern, sondern autonome Experten, die ausschließlich ihrem Ethos, den strengen Standesregeln und der Genfer Deklaration und dem Wohle des Patienten verpflichtet sind..

Alle Versuche, Ärzte, Mediziner und medizinische Forscher zu gängeln und ihre Freiheit einzuschränken, sind vehement abzulehnen. Und werden von unserer Seite auch vehement bekämpft werden.

Das ist weder eine Absage an ergebnisorientierte Forschung – schließlich sind wir für das Wohlergehen der Patienten und Erkrankten zuständig – noch an die gesundheitspolitische Verantwortung, die wir Ärzte tragen.

Im Gegenteil: Das schleichende Erodieren einer hochqualitativen, sozial gerechten und für jedermann zugänglichen Gesundheitsversorgung bereitet uns Sorgen. Ebenso wie der widersinnige Sparfetischismus von Regierungen, die Gesundheitsausgaben als Kosten sehen und nicht als Investitionen in die Zukunft und Volksgesundheit.

Es sind diejenigen, die nicht sehen wollen oder können, dass jeder Euro, der in Gesundheit und Gesundheitsvorsorge investiert wird, einen vielfachen Mehrwert erzielt. Und sich mehrfach rechnet.

Es ist Zeichen einer mündigen und demokratisch agierenden Gemeinschaft, wenn möglichst viel in humane und soziale Dienstleistungsberufe – und in deren Ausbildung – investiert wird: Pflegekräfte, Pädagogen, Sozialarbeiter und Ärzte sowie andere medizinische Berufe.

Das Paradoxe ist ja: Den meisten Österreichern ist Gesundheit das wichtigste Gut. Gesundheitsberufe aber haben ebenso wie Lehrberufe kein besonders gutes Image. Und vor allem: keine besonders gute Bezahlung.

Das führte in der Vergangenheit – neben anderen Faktoren wie alarmierend schlechte Arbeitsbedingungen und -umfelder – dazu, dass immer weniger junge Menschen Pflegeberufe ergriffen und wir heute vor einer eklatanten Mangelsituation stehen, die auf absehbare Zeit kaum zu beheben sein wird.

Eine Gesellschaft und eine Politik, der die Menschen am Herzen liegen, dürfen bei Gesundheit und Sozialem nicht sparen. Aus ethischen Gründen nicht, aber auch nicht aus volkswirtschaftlichen. Beides scheint derzeit nicht besonders ausgeprägt zu sein.

Deshalb bedarf es einer starken Ärzte- und Forschungs-Community, die laufend auf derartige Entwicklungen aufmerksam macht – im Sinne der Menschen in diesem Land.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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