Und nun auch Burn Out. Who definiert Burn Out als Krankheit, ebenso zwanghaftes Sexualverhalten.

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Im Jahre 2022 soll die neue internationale Klassifikation der Krankheiten ICD der WHO in Kraft treten. ICD -11 bringt einige bemerkenswerte Änderungen: Internetsucht und Spielsucht werden ebenso wie Burnout als Krankheit klassifiziert. Auch die #me.too Bewegung hat Spuren hinterlassen: zwanghaftes Sexualverhalten wird in die Gruppe psychischer Störungen aufgenommen, Transgender hingegen aus der Liste gestrichen. Burn out : „chronischer Stress am Arbeitsplatz“. Das hilft in der Diagnose und Therapie auch nicht viel weiter.

Burn Out ist eine jener „Krankheiten“, welche die stärksten Zuwachsraten bei chronischen Störungen verzeichnet. Vor allem in jenen Berufen, die arbeitsintensiv sind und hohe soziale Kompetenz erfordern: Lehrer, Krankenpfleger und medizinische Fachkräfte, Ärzte, Sozialarbeiter.

Gleichzeitig steigen die Fälle an chronischer Depression: vor allem bei weniger gebildeten, peripher Beschäftigten oder berufsuntätigen Menschen. Burn Out und Depression gleichen einander in den Symptomen, so die WHO.

Für die Gesundheitsversorgung stellt sich immer stärker die Frage, wie man einerseits sozialversicherungstechnisch, anderseits präventiv und drittens therapeutisch begleitend mit diesen Krankheiten umgehen soll. Wie therapiert man chronische Gamingsucht bei Jugendlichen, wie therapiert man Burn Out-gefährdete Menschen, wie definiert man- um das Modewort zu verwenden – Work &Life Balance?

Welche neuen medizinischen Berufe sind notwendig, wo liegen die Grenzen der ausschließlich medikamentenbasierten Therapie, die wieder zu Abhängigkeiten führen kann?

Vor allem: wo bekommt man die notwendigen Fachleute her. Wir haben in Österreich heute schon eine dramatische Unterversorgung mit Psychiatern und Psychotherapeuten oder mit Kinderärzten.

Wir haben – und auch das wird zu selten angesprochen – viel zu wenige Betriebsärzte, die rechtzeitig eingreifen können, wenn Mitarbeiter gefährdet oder suchtanfällig sein.

Wir haben kaum spezialisierte Suchttherapeutischen Institute, sieht man vom Institut Kalksburg ab. Und es gibt deutlich zu wenige und noch dazu zu schlecht bezahlte Schulärzte, ebenso wie es kein Pflichtfach Gesundheit an den Schulen gibt. Österreich hatte einen exzellenten Ruf in der Arbeitsmedizin, der inzwischen verblasst ist.

Wir werden uns radikal umstellen müssen: als Gesellschaft, im Selbstverständnis der Gesundheitsversorgung sowie in der Ausbildung.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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