Ein Plädoyer für den Gesundheitsunterricht ! Mobilität, Sport, gesunde Ernährung – Basis für ein gesundes Leben! Jetzt investieren!

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Die Bundesregierung wird die Spezialförderungen von Ganztagsschulen trotz Übergangssituation in vollem Umfang beschließen. Das ist auch gut so. Besser noch wäre, man würde den Ganztagesunterricht auch zur sinnhaften Bewegungs- und Gesundheitserziehung ausbauen. Denn die Zeichen stehen nicht gut: Über die Hälfte der Kinder kann nicht schwimmen. Die Zahl der tödlichen Badeunfälle steigt. Ein Drittel kann nicht auf einem Bein stehen oder koordiniert rückwärtsgehen. Mens sana in corpore sano sollte gerade in Ganztagsschulen pädagogisches Ziel sein.

Es steht nicht gut um die sportliche und körperliche Fitness österreichischer Jugendlicher – das belastet auch das Gesundheitssystem. Und langfristig das Wirtschaftssystem. Seit Jahren wird die tägliche Turnstunde versprochen – umgesetzt ist sie nicht flächendeckend.

Seit Jahren wird gefordert, dass die Schulsportplätze an den Wochenenden und während der Ferien geöffnet bleiben – es scheitert angeblich an administrativen Problemen.

Österreichs Sportvereine leiden unter Nachwuchsmangel – eine sinnhafte Kooperation mit Ganztagsschulen könnte das Problem beheben. Denn das Grundinteresse ist da – es fehlt der Anstoß und es fehlen konkrete Angebote.

Zweites Thema: Ernährungslehre. Das Unwissen der Jugendlichen über Flora und Fauna sowie über den eigenen Körper ist trotz Aufklärung erschreckend gering. Die violette Milka-Kuh ist nur ein Topos dafür .Ganztagsschulen könnten Schulküchen einrichten und Ernährungsexperten beschäftigen – gemeinsames Kochen und Gärtnern macht nicht nur Freude, sondern stärkt – wie der Sport – auch den Teamgeist.

Die Wirtschaft, sprich der Handel und die Nahrungsmittelproduzenten im regionalen Bereich – wären durchaus zu einer Zusammenarbeit bereit. Von der „gesunden Jause“ bis zur Belieferung mit frischem Obst und Gemüse aus dem Umfeld. Und zur Absenkung des Zuckergehaltes in Lebensmitteln und Getränken.

Und wenn es dann noch gelänge, die Schulärzte adäquat zu bezahlen, ihre Wertigkeit zu steigen, Kooperationsachsen mit Sportlehrern und Ernährungskundlern zu vertiefen, würde Österreichs Jugend mittelfristig gesünder leben.

Und viele chronische Krankheiten, die jetzt schon verstärkt bei Jugendlichen auftreten, könnten verhindert werden. Jetzt investieren erspart teure Therapie- und Interventionskosten in zehn oder fünfzehn Jahren.

Vielleicht bricht eine neue Zeit der Vernunft aus. Vielleicht finden die politischen Kräfte jetzt zu Lösungen jenseits der Scheuklappen.

In wenigen Wochen beginnen die Ferien. Viele Eltern stehen vor dem Problem, wie sie ihre Kinder – jenseits des gemeinsamen Urlaubs – sinnhaft beschäftigen. Auch darüber sollte man nachdenken.

ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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